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Veränderte Bestattungskultur : Platten ersetzen oft Grabsteine

Lünen, 26.02.2010, Gerd Kestermann

Lünen. Die Bestattungskultur hat sich verändert. Menschen entscheiden sich zu Lebzeiten für ein Rasengrab, über das der Mäher fahren kann, um den Angehörigen die Pflege zu ersparen oder nehmen Rücksicht darauf, dass die Kinder fortgezogen sind und teure Pflegeverträge abschließen müssten.

Das ist nicht spurlos an der Branche der Steinmetze vorbei gegangen, wie Gregor Schmidt in Nordlünen bestätigt. Der Verkauf von Steinplatten für Urnengräber oder Rasengräber, die nur eine Namensinschrift erhalten, ist ein erheblicher Teil des Geschäftes geworden. „Der Umgang mit den Toten spiegelt die Entwicklung der Gesellschaft wider, die von einer zunehmenden Anonymität geprägt wird”, sagt Schmidt.

Aber die vor Jahren verbreitete anoyme Bestattung ist seltener geworden. „Die Angehörigen haben festgestellt, dass sie keinen Ort für Trauer und Abschiednehmen hatten”, stellte der Bildhauermeister fest. Sie seien unsicher gewesen, wo der Tote überhaupt bestattet worden ist.

Darum werden wieder Grabsteine mit Namen und Daten über Geburt und Sterbetag in die Rasenfelder so eingelassen, dass der Mäher darüber herfahren kann. Manche Angehörigen hätten bei der anonymen Bestattung nicht überlegt, für was sie sich entschieden hatten und es sei sogar zu Umbettungen gekommen, um einen Ort der Trauer zu haben.

Unter künstlerischen und kommerziellen Aspekten gestaltet Gregor Schmidt lieber Grabsteine, wie sie über Generationen von der Familien bestellt worden sind. Er glaubt sogar, dass sich die Steinplatten-Kultur auf den Friedhöfen irgendwann wieder ändert und die Gesellschaft zurück zu den Grabsteinen findet.

Bestattungen wird es immer geben und deshalb führt Grgeor Schmidt den Steinmetz-Betrieb in der vierten Generationen. 1896 war Josef Schmidt aus Lippstadt gekommen, um die Rundfenster aus Sandstein an der Lüner Marienkirche zu gestalten, und blieb in der Lippestadt hängen.

Seine Söhne Alfred und Gottfried führten den Betrieb weiter. Alfreds Sohn Helmut wurde Steinmetzmeister in der dritten Generation. Er ließ 1972 den heutigen Betrieb mit Wohnhaus an der Cappenberger Straße vom Architekten Karl Marek gestalten.

Grabsteine für zehn Friedhöfe

Sohn Gregor Schmidt – er wird im März 43 Jahre alt – besitzt noch einen Betrieb am Kommunalfriedhof Lünen-Süd und übernahm am Friedhof Selm vor drei Jahren den Betrieb Karsch, um ein weiteres Standbein zu haben.

Grabsteine werden in Lünen auf insgesamt zehn Friedhöfen benötigt. Neben den drei Kommunalfriedhöfen in Altlünen, Lünen-Süd, Brambauer und Niederaden gibt es katholische und evangelische Friedhöfe in Horstmar, Alstedde, in Lünen-Nord und in Beckinghausen.

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