Trianel : Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch

Lünen. Sternsinger im Trianel-Rohbau? Das wollte die katholische Kirche in Lünen offenbar nicht. Kurz vor dem Termin, zu dem der Kraftwerksbetreiber eingeladen hatte, rief die Gemeinde die Sternsinger zurück. Jetzt geht auf der Baustelle das Gerücht, die Absage sei das Werk von Kraftwerksgegnern.
Mit der Verankerung der zentralen Stütze des riesigen Kesselhauses wollte Trianel am Mitwoch einen „weiteren Meilenstein” setzen. So heißt es zumindest in einer Pressemeldung. Für Gesprächsstoff auf der Baustelle sorgte ein anderes Thema: Diskutiert wird nicht über das neue Kohlekraftwerk, das 2012 ans Netz gehen soll - sondern darüber, warum die katholische Gemeinde ihre Sternsinger der Baustelle nicht ihren Segen erteilen lässt.
Die katholische Gemeinde hatte kurz vor dem Termin die Sternsinger abberufen, die von Trianel eingeladen waren und für deren Erscheinen es bereits die Zusage gab. Am Kühlturm machte die Runde, dies sei auf Druck von Kraftwerksgegnern in Reihen der katholischen Gemeinden passiert.
Trianel: "Ein unerhörter Akt"
Trianel-Pressesprecher Elmar Thyen sprach von einem „unerhörten Akt”. Er sei der Auffassung, dass für die katholische Kirche gelte, wenn jemand den Segen erbittet, dass er ihn auch bekommt. Die Bitte um Segen sei auch auf Wunsch der Bauarbeiter erfolgt und unter den 100 Gästen gestern seien Vertreter des Kesselbauers AE&E aus Österreich gewesen, Katholiken, die das Nichterscheinen der angekündigten Sternsinger sehr irritiert habe, so Thyen.
Mit drei riesigen Raupenkränen beginnt der Aufbau des über 100 Meter hohen Kesselhauses. Foto: Trianel
Foto: WR
Bei der offiziellen Feier anwesend war auch SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Schmeltzer. In einem Brief an Erzbischof Hans-Josef Becker, den er am Nachmittag auch öffentlich machte, erklärte er: „Ich bin zutiefst befremdet, dass gerade die Kirche sich von einzelnen davon abbringen lässt, durchaus übliche und von den Beteiligten ausdrücklich gewünschte Bekundungen in Form des kirchlichen Segens für eine schadens- und unfallfreie Baustelle vorzunehmen.” Schmeltzer fordert Erzbischof Becker auf, sich der Angelegenheit anzunehmen, „da gerade bei den Beteiligten Unmut aufgekommen ist, der durch einzelne mit massivem Druck verursacht zu sein scheint.”
"Kein Entscheidung für oder gegen das Kraftwerk"
Pfarrer Ralf Hubert Bronstert, Leiter des Pastoralverbundes, drückte gestern sein Bedauern aus. „Es ist sehr schade, dass es so gelaufen ist. Dies ist aber keine Entscheidung für oder gegen das Kraftwerk.” Vorausgegangen seien kon-troverse Gespräche. Einige hätten gesagt, man könne das machen. Andere hätten ihre Sorge geäußert, die katholische Kirche werde vorgeführt und die Sternsingeraktion in der Diskussion um das umstrittene Kraftwerk missbraucht. Letztendlich habe er sich dagegen entschieden, um der Sternsinger-Aktion nicht zu schaden. Bronstert: „Um die Sache an sich ging es doch gar nicht mehr.” Das Generalvikariat in Paderbon sehe das genauso und trage seine Entscheidung mit.
Diskussion kam erst am Abend zuvor auf
Unglücklicher Umstand ist, dass die Diskussion für oder gegen den Sternsinger-Besuch erst am Abend zuvor aufkeimte. Trianel hatte die Bitte über das Kindermissionswerk Die Sternsinger in Aachen bereits vor Weihnachten nach Lünen gerichtet. Pfarrer Bronstert bestätigte, auch sofort zugesagt zu haben. Den Bedenkenträger in den Lüner katholischen Gemeinden kam dies aber erst – möglicherweise aufgrund der Feiertagsruhe – am Dienstag Abend zu Ohren. Das bestätigte Dr. Matthias Laarmann, engagierter Katholik und bekennender Kraftwerksgegner. Er bezeichnete Bronsterts Entschluss als eine Entscheidung mit Augenmaß.














