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Musikfestival

Lünen

23.05.2012 | 11:47 Uhr

Lünen/Cappenberg. „Kunst kann nicht verstanden, nur erlebt werden.“ Mit diesen Worten ermunterte Sebastian Graf von Kanitz beim Eröffnungskonzert des „Musikfestivals Schloss Cappenberg“ das Publikum im ausverkauften Schlosstheater am Dienstagabend, sich auf das bevorstehende Erlebnis einzulassen.

Er wies auf die jahrzehntelange Tradition der Veranstaltungen hin. Besonders freute er sich darüber, dass das Festival nun schon zum siebten Mal bei herrlichem Wetter stattfinde, was dazu beitrage, dass der Kunstgenuss in diesem einmaligen Ambiente von Schloss und Stiftskirche einfach eine andere Intensität als bei anderen Festivals habe. Er bedankte sich bei den Sponsoren und Förderern und ganz besonders bei Mirijam Contzen, die wieder die künstlerische Leitung übernommen habe und bei Dr. Berthold Warnecke für die Erledigung aller mit der Intendanz verbundenen Aufgaben.

Das Eröffnungskonzert stand unter dem Motto „Anfänge- Wendepunkte“. Es begann mit einem frühen Meisterwerk von Peter Iljitsch Tschaikowsky, mit der „Romeo und Julia Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare.“ Dieses für ein großes Orchester geschriebene Stück wurde gemäß der Cappenberger Tradition in seiner kammermusikalischen Version als Klavierseptett präsentiert. Getreu der Absicht Vladimir Mendelssohns, durch seine Bearbeitung die Genialität Tschaikowskys herauszustellen, setzten die sieben Solisten das Werk um. Wobei sie mit ihrem Spiel in meisterhafter Art und Weise die dem Werk zugrundeliegende Dramatik von Familienfehden überwinden wollender Liebe verdeutlichten. Ohne Pause zwischen den Sätzen, kamen sie nahezu übergangslos vom Andante zum Allegro und vom Allegro tempestaso zum Moderato mit lautstarkem Ausklang.

Für den Bereich „Wendepunkte“ stand das Streichquartett Nr. 9 C-Dur von Ludwig van Beethoven, dargeboten von den Solisten Mirijam Contzen und Giovanni Guzzo (Violine), Dirk Niewöhner (Viola) und Konstantin Heidrich (Violoncello). Das Werk war eine Auftragskomposition für Beethovens Förderer Rasumowsky. Es klingt russisch, enthält aber keine erkennbare Verarbeitungen von russischen Originalmelodien. Für Beethoven war dieses Streichquartett mit seiner in früheren Werken nicht vorhandenen Komplexität ein Wendepunkt seines musikalischen Schaffens.

Besonders gefordert war hierbei Konstantin Heidrich, der sein Violoncello sowohl als Streichinstrument als auch, ohne den Bogen aus der Hand zu legen, als Zupfinstrument für die Cello-Pizzicati einsetzen musste. Dabei ergaben sich manchmal Klangbilder, die an die der modernen Bassgitarren erinnern.

Der Abend klang aus mit Ernst von Dohnányis Klavierquartett Nr 1 c-Moll, wieder ein Stück aus dem Bereich Anfänge. Der Komponist verfasst es im Jahre 1895 als gerade 18-Jähriger. Obwohl es sich um ein Werk handelt, das streng genommen nicht in die zeitliche Romantikepoche fällt, enthält es unverkennbar romantische Züge. Es endete mit einem grandiosen Finale, das in Bezug auf die Lautstärke nur noch vom lang anhaltenden Schlussapplaus untermalt von Bravorufen und Fußgetrampel übertroffen wurde.

„Früher waren wir klein und fein, heute sind wir immer noch fein, aber längst nicht mehr so klein“, so hatte Intendant Warnecke in seiner Begrüßungsansprache das Festival charakterisiert. 24 Spitzenkünstler bestreiten das Programm. Bis zum Pfingstmontag sind noch sieben weitere Konzerte angesagt, auf die man gespannt sein darf.

Aber das Musikfestival Schloss Cappenberg ist auch ein gesellschaftliches Ereignis, was nicht zuletzt die Anwesenheit des Landrates mit Vertretern des Kreises Unna, der Bürgermeister von Lünen und Selm und zahlreicher weiterer Ehrengäste zeigte.

Diethelm Textoris



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