WR testet Olympia
18.02.2010 | 05:00 Uhr 2010-02-18T05:00:00+0100
Meinerzhagen. Der Kohlberg liegt nicht in Kanada. Auch das Ebbe ist kein Höhenzug bei Vancouver. Wintersport geht aber auch im Märkischen Kreis – gerade jetzt, da alle Welt auf Olympia schaut, nutzt die WR und testet die Winterdisziplinen. Angefangen mit Snowboarden.
Bei Nils Hauschild sieht alles ganz einfach aus: Er schnallt die dicken Boots auf die Bindung seines Snowboards, stellt sich seitlich zum Hang und gleitet über den Schnee. Bis zur Schanze, die er sich aus Schnee gebaut hat, hat Nils schon gut Fahrt bekommen. Dann geht der 22-Jährige in die Knie und springt. Schnee wirbelt auf und glitzert in der Luft. Sein Schatten fliegt ihm hinterher. Für einen Moment wirkt Nils wie ein winterlicher Teppichreiter auf seinem Board. Dann setzt das Brett wieder auf und Nils pflügt in Kurven eine Schneise durch den Schnee. Im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne wird er zu einem Schatten. Als er bremst und das Brett quer zum Hang zieht, spritzt Schnee hoch – genau in Richtung unseres Fotografen.
Und jetzt ich: „Beine brechen ist erlaubt, aber die Arme müssen heile bleiben”, hatten die Kollegen gesagt. Irgendwer musste ja noch den Artikel tippen. Ich hatte keine Bedenken, mich auf ein Snowboard zu stellen, obwohl ich für gewöhnlich eher ein Sportmuffel bin, der höchstens im Sommer ein bisschen Inlineskating fährt, falls das schlechte Gewissen über die überflüssigen Pfunde doch mal plagt. Kultururlaub statt Skipiste – Das war mein Motto seit meine ersten Skilanglaufversuche bereits an der Koordination meiner beiden Füße auf den zwei Meter Brettern scheiterten. Um so spannender war der Versuch, die Schneepiste auf nur einem Brett zu erkunden.
Meine Einweisung ins Snowboarden ist nur zwei Sätze lang: Nach vorne lehnen, das Board fährt links herum – Nach hinten lehnen, das Board und ich machen hoffentlich eine Rechtskurve. Und los geht's. Nils schnallt meine Füße aufs Board. Mit einem Ruck setzt sich das Board in Bewegung. Für meine ersten Versuche haben wir eine seichte Stelle gewählt. Nils läuft neben mir her und hält mich fest, bis sich mein Gleichgewichtssinn auf die ungewohnten Bewegungen eingestellt hat. Mal nach vorne und nach hinten lehnen, um Nils Einweisungen zu testen – Und tatsächlich, das Board reagiert, sobald ich das Gewicht verlagere.
Auch Olympiasieger haben mal klein angefangen
Plötzlich lehne ich mich doch ein bisschen zu weit nach hinten und lande mit dem Hosenboden im Schnee – und nicht zum letzten Mal. Auch Nils hat mal so angefangen: „Ich hab mir zum Geburtstag ein Board gewünscht”, sagt der Kiersper. Alles andere war dann Ausprobieren.
Ohne Lift heißt es natürlich jedes Mal: Wieder den Berg hoch steigen. Kondition ist gefragt. Vor allem im Pulverschnee. Doch darunter ist der Schnee fest – die besten Bedingungen zum Fahren. Unter unseren meinen Stiefeln knarzt es, als wir den Berg wieder hinauf gehen. Bald stelle ich mich schon geschickter an. Am Ende gelingt es mir sogar ein ganzes Stück alleine zu fahren.
Skifahrer haben oft die Befürchtung, sich eingeengt zu fühlen, wenn ihre Füße fest auf einem Brett geschnallt sind. Aber gerade das finde ich angenehm. Das Board reagiert alleine auf meine Bewegungen und meine Gewichtsverlagerungen. Bis meine Fahrten auch nur annähernd anmutig wirken, oder gar olympiatauglich sind, wird noch einige Zeit vergehen. Aber: auch Olypiasieger haben mal klein angefangen. Und ich kauf mir demnächst ein Board.
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