Verschollener Silberschild zurück
21.02.2012 | 19:24 Uhr 2012-02-21T19:24:00+0100
Altena.Die blaue Mauritius der märkischen Industriekultur – zumindest genauso selten wie die Briefmarke ist der Silberschild, der nun seit gestern auf der Burg Altena zu sehen ist. 1897 bekam der Industrielle Gustav Selve den 67 Zentimeter hohen Schild zu seiner Silberhochzeit von der Belegschaft geschenkt.
Wie genau der Schild nach dem Tod der Ehefrau Marie Selve in den Kunstmarkt geriet, ist nicht belegt. Zumindest die letzten 30 Jahre war es im Besitz eines privaten Sammlers. Erst die Kunsthändler Marie Luise und Roberto Bona aus dem Harz erforschten die Hintergründe des Schildes und boten es schließlich dem Museum der Burg Altena an. Dort hatte man zwar von dem Schild schon einmal gehört, schließlich findet er Erwähnung in einer Festschrift der Selves, jedoch galt er als verschollen.
60 000 Euro zahlte das Museum dafür. 48 000 Euro wurden vom Land gestellt, 6000 Euro zahlten die Freunde der Burg, der Rest kam vom Kreis. Stephan Sensen, Leiter der Museen des Märkischen Kreises ist stolz, dass „etwas zurückkommt, das auch in den Märkischen Kreis gehört“.
„Solche Geschenke waren in dieser Zeit nicht unüblich“, wie Roberto Bona erzählt. Die Belegschaft sammelte, musste einem Bildhauer und einem Silberschmied die Arbeit in Auftrag geben.
„Das dauerte auch mal eins, zwei Jahre.“ Das Material für den Schild, 4,5 Kilo Silber, sei heute etwa 2000 bis 2500 Euro wert. „Es sind überhaupt nur zwei Silberschilde in Museumsbesitz bekannt“, so Bona. Seine Vermutung: „Selve verehrte Otto von Bismarck. Dieser hatte nur kurze Zeit zuvor auch einen Silberschild geschenkt bekommen. Vielleicht war das der ausschlaggebende Punkt für das Material.“
Auf dem „schönen Stück“ wie Bernd Falz, Vorsitzender der Freunde der Burg es nennt, ist das Hochzeitsdatum der Selves graviert, umrahmt von zwei Putten. Eheringe, eine Widmung, Selves Wahlspruch „Treue um Treue“, Motive aus der Produktion und der Handelstätigkeit des Konzerns (Schiff, Anker, Zahnrad, Walze, Zange) sind mit barocken Elementen auf den Schild gebracht. Drei Medaillonkartuschen lassen vermuten, dass hier einmal Bilder von Gustav und Marie Selve und das Familienwappen prangten.
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