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Kirche und Homosexualität

Superintendent Majoress: "Faire Diskussion führen"

06.11.2009 | 12:26 Uhr
Superintendent Majoress: "Faire Diskussion führen"

Lüdenscheid. Auf eine „offene und faire Auseinandersetzung” in der Debatte darüber, wie sich die evangelische Kirche gegenüber Homosexuellen verhalten soll, hofft Klaus Majoress. Der Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg bezieht im WR-Interview Stellung zu dem umstrittenen Thema.

In der Diskussion über das sensible Thema Homosexualität und Kirche plädiert Klaus Majoress für eine "offene und faire Auseinandersetzung." Der Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg wirbt für gegenseitigen Respekt. Die Haltung des evangelischen Landespräses Alfred Buß zu Schwulen und Lesben war einigen seiner Pfarrer zu liberal. In einem offenen Brief hielten westfälische Pastöre dagegen. Sie forderten "Therapien" bei homosexuellen Neigungen.

Herr Majoress, der offene Brief der 30 Pfarrer hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Tut sie der Kirche gut?

Klaus Majoress: Der Brief war von einigen Pfarrern an den Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen gerichtet mit der Absicht, das Gespräch zu suchen und die Kommunikation zu der Frage des Umgangs mit Homosexualität in unserer Kirche herzustellen. Dass das Thema öffentlich verhandelt wird, tut niemandem gut. Dadurch kommt es zu Positionierungen, je nach biblischem Verständnis, und nicht zu Austausch und Gespräch. Ich bedaure das sehr und hoffe, dass es nach der ersten Aufregungen zu einer offenen und fairen Auseinandersetzung kommt.

Auffällig ist, dass von den Unterzeichnern des Briefes viele aus diesem Kirchenkreis kommen. Sind die Pfarrer hier besonders konservativ?

Majoress: Ob die Pfarrer besonders konservativ in unserer Region sind, vermag ich nicht zu sagen. Sie argumentieren von ihrem biblischen Verständnis her und das sollte, wie gerade gesagt, in gegenseitigem Respekt und in Kommunikation auch mit anderen Meinungen geschehen, auch mit den Betroffenen.

Ist das vielleicht auch eine Generationenfrage?

Majoress: Das glaube ich nicht, ich kenne die Unterzeichner des Briefes im Einzelnen nicht und kann nichts über die Altersangabe sagen. Es ist eher eine Frage des Schriftverständnisses der Bibel.

Wie begegnet Kirche gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, die - staatlich legitimiert - auch den kirchlichen Segen haben wollen?

Majoress: Die Landessynode der westfälischen Kirche hat 1996 da deutliche Worte gesprochen: Sie fordert die Gemeinden auf, heute jeder Diskriminierung, Verachtung und Demütigung gleichgeschlechtlich lebender Menschen sowohl in der Gesellschaft auch in der Kirche entgegenzutreten. Sie hat zugleich die seelsorgerische Begleitung durch eine Segenshandlung für zwei Menschen, die partnerschaftlich zusammenleben oder zusammenleben wollen, möglich gemacht. Zu dieser Segenshandlung kann allerdings kein Pfarrer und keine Pfarrerin verpflichtet werden.

Ist das ins Ermessen des jeweiligen Pfarrers/Pfarrerin gestellt? Oder gar mit Sanktionen belegt?

Majoress: Pfarrerinnen und Pfarrer sind gebunden an die Heilige Schrift und die Bekenntnisse unserer Kirche. Vom Verständnis der Bibel entscheidet sich ihre theologische Einstellung. Und die ist in vielen Fragen unterschiedlich. Deshalb gibt es auch verschiedene Einstellungen in den Gemeinden und bei den Pfarrerinnen und Pfarrern. Alle, die aus Gewissensgründen eine Andacht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften ablehnen, können auch durch gemeindliche Beschlüsse nicht dazu gezwungen werden, heißt es in der Arbeitshilfe zu Andachten für Lebenspartnerschaften.

Was raten sie Amtsbrüdern(-schwestern), die unsicher sind was sie tun sollen?

Majoress: Ich bin überzeugt, dass wir uns dem sensiblen Thema auch in der Kirche und unter den Amtsgeschwistern mehr stellen müssen. Da wo Fragen und Verunsicherungen sind, bin ich im Gespräch.

Die Kirchen verlieren Mitglieder. Wird dieser Trend nicht durch unzeitgemäße Positionen forciert?

Majoress: Das bleibt abzuwarten. Ich bedauere allerdings die Demütigungen, die jetzt gegenseitig empfunden werden.

Rüdiger Kahlke

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Kommentare
09.11.2009
17:02
Superintendent Majoress: Faire Diskussion führen
von tolstefanz | #5

Wie ein heterosexueller Christ über Homosexualität denkt, ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage des Nachdenkens und der sachlichen Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Wer der Meinung ist, die Bibel sei ein zeitlos gültiges Rezeptbuch für sämtliche Fragen des Lebens und gleichzeitig nicht wahrhaben will, dass auch die Bibel aus ihrer Zeit heraus zu verstehen ist, der wird nicht bereit sein, selber nachzudenken. Es ist ihm doch alles vorgegeben. Wie einfach ist das doch!

08.11.2009
15:21
Superintendent Majoress: Faire Diskussion führen
von Johannes Timm | #4

Übrigens natürlich ist es auch eine Generationsfrage, die sich bei den 34 Pastoren wiederspiegelt.

So sind beispielsweise alle drei aus Münster stammenden mitunterzeichnenden Pastoren (Wolfgang Heide, Erich Hermann und Dietmar Bolz) bereits im Ruhestand als Pfarrer. Gleiches gilt für die Pastoren Ingfried Woyke, Friedrich Wilhelm Windfuhr und Dieter Rieß aus Lüdenscheid, die bereits auch in Rente sind. Aber auch ortsfernere mitunterzeichnende Pastoren wie Hartwig Putz aus Bad Zwischenahn oder Martin Gocht und Heinz Külpmann aus Soest befinden sich bereits im Ruhestand.

Rund die Hälfte der Unterzeichner sind im Ruhestand befindliche ältere Männer.

Auffällig ist auch, das nur zwei Frauen (Brigitte Schulze und Brigitte Kölling) unterschrieben haben.

08.11.2009
09:46
Superintendent Majoress: Faire Diskussion führen
von FritzeFeuermelder | #3

Herr Pfarrer G. sollte sich mal lieber Gedanken über sein eigenes Leben machen und darüber, ob er nicht selbst mal eine Therapie macht. Wie war das nochmal mit dem Steine werfen?

06.11.2009
11:06
Superintendent Majoress: Faire Diskussion führen
von Andrea Bock | #2

Nach dieser Unterschriftenliste ist mir eines klar geworden.
Dieses ist nicht mehr meine Kirche. Ich werde auch glauben können ohne zahlendes mitglied zu sein.

06.11.2009
02:23
Superintendent Majoress: Faire Diskussion führen
von Johannes Timm | #1

Es ist insbesondere kritikwürdig, in welcher Art und Weise diese paare Pastoren aus dem Lüdenscheider Raum vorgeprescht sind. Was soll eine Unterschriftenaktion bezwecken ? Sie führt zu unnötigen Polarisierungen und zu einer Emtionialisierung der Diskussion. Und wozu soll eine solche Aktion dann führen ? Es werden nie alle davon überzeugt sein und genausowenig werden die Pfarrer aus Lüdenscheid erreichen, dass sie all die anderen Pfarrer und die große Mehrheit mit einer Unterschriftenaktion überzeugen.

Nei das Verhalten dieser paar Pastoren aus dem Lüdenscheider Raum ist theologisch unangemessen, dass Sie zu diesem extremen Mittel gegriffen haben, denn hierdurch erzwingen Sie eine Polarisierung und holen sich insbesondere rechtsradikale und kirchenferne Stimmen in die Debatte, die sie selbst nicht haben möchten.

Hinzukommt das diese Aktion einen öffentlichen Angriff auf die Kirchenleitung in Bielefeld darstellt, der in dieser Form nicht in Ordnung ist.

Am Schlimmsten aber ist er Bezug in dem Brief auf eine Therapie homosexueller Menschen. Davon sind wir längst in der Wissenschaft von weg und die paar Pastoren in Lüdenscheider Raum sollten sich dringend mit den heutigen Erkenntnissen der Psychologie vertraut machen.
Unser jetztiger Aussenminister Westerwelle bedarf keiner Therapie und er ist auch nicht therapierbar, was seine Homosexualität angeht.

An dieser Stelle des Papieres aus Lüdenscheid hört dann auch der Spass entgültig auf, denn hier werden Vorurteile und veraltete Therapieansätze aus den 1950er vertreten, die gefährlich sind.

Daher diese Unterschritenaktion sollte schleunigst gestoppt und in der Mülltonne landen.

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