Das aktuelle Wetter Luedenscheid 11°C
Hundestaffel der...

Spürnasen im Einsatz

03.07.2009 | 22:15 Uhr

Märkischer Kreis. Annabelle Kuder streut Puder in die Luft, um die Windrichtung zu prüfen. Dann beugt sie sich zu dem Hund herunter. „Such und hilf!” Jetzt kommt es auf Spike an. Und er weiß ganz genau, was er zu tun hat.

Die Nase richtet sich in den Wind und schon durchstöbert er das Feld. Die Glöckchen an seiner Kenndecke bimmeln. Es dauert nicht lange, da bellt der Hund und Annabelle Kuder weiß: endlich gefunden! Sie fordert Sanitäter an, als sie den bewusstlosen Mann sieht. Sein Oberarm hat sich in einem Zaun verfangen, der Unterarm ist amputiert. Alles weitere müssen nun die Ärzte machen. Spike hat seinen Job gut gemacht und sitzt hechelnd neben dem Verletzten.

Normalerweise sucht die Rettungshundestaffel Südwestfalen der Johanniter eher verwirrte und demente Personen, aber mehrmals im Jahr simuliert die Einsatzeinheit und die Johanniter Jugend zusammen mit der Hundestaffel den Ernstfall: Die Verletzungen werden geschminkt, die Opfer bekommen eine Hintergrundgeschichte, was mit ihnen passiert ist. Vom Unfallhergang bis zur Versorgung im Zelt wird alles geübt und möglichst detailgetreu nachgestellt.

Auch Vanessa Schmidts Verletzung sieht echt aus. Die Zwölfjährige macht zum ersten Mal bei dieser Übung mit und findet ganz spannend, was um sie herum passiert. „Ich bin im Wald ausgerutscht und ein Baum ist auf meinen Bauch gefallen”, erklärt sie das Szenario, bevor die Sanitäter sie versorgen und auf einer Trage zum Sichtungszelt bringen. Ihre Wunde wird abgedeckt, gesäubert und verbunden. Dann kommt sie in ein Versorgungszelt zu anderen Verletzten.

20 Mitglieder und 22 Hunde zählt die Rettungshundestaffel Südwestfalen. Claudia Grätz ist seit sieben Monaten mit dabei. Seit ihr Mann einen Motorradunfall hatte, wollten beide etwas neues ausprobieren. Hund Carlos ist noch in der Ausbildung. „Unser neues Hobby ist sehr zeitintensiv”, sagt Claudia Grätz. „Aber uns macht es so viel Spaß, dass wir uns sogar einen zweiten Hund anschaffen, damit mein Mann auch einen ausbilden kann.”

Christian Oberhoff ist Staffelleiter und damit für die Ausbildung zuständig: „Unsere Hunde sind nicht Lassie, die bereits den Krankenwagen angerufen hat,” erzählt er. „Ihre Ausbildung zum Rettungshund dauert zwei Jahre.” Er hat selber seine mittlerweile schon acht Jahre alte Hündin Joy ausgebildet. Sie ist eine von drei geprüften Hunden in der Staffel.

Über wenig Arbeit kann sich die Staffel nicht beklagen. „Nach Kyrill waren wir im Einsatz und neulich hatten wir fünf Anfragen in einer Woche”, sagt Christian Oberhoff. Zusammen mit anderen Staffeln werden sie von der Polizei informiert. Besonders erfreulich ist es natürlich, wenn die Personen lebend gefunden werden.

Wer an Einsätzen teilnehmen will, muss sich Prüfungen unterziehen. Schließlich geht es um das Auffinden und Überleben oftmals verwirrter oder dementer Personen. Die Prüfungen stellen hohe Ansprüche an Hund und Mensch.

Der Hundeführer muss mindestens eine Ausbildung zum Sanitätshelfer machen. Denn nicht immer sind sofort Ärzte zur Stelle, wenn eine verletzte Person im Wald oder unter Trümmern gefunden wird. Auch die Erste-Hilfe am Hund gehört dazu. Der Hund selber muss die Unterordnung bestehen, bevor er sich in der Meisterdisziplin, der Suche, bewähren kann. Auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern muss die Spürnase beweisen, was sie kann: 20 Minuten Zeit hat der Hund, um zwei vermisste Personen zu finden.

Die Ausbildung dahin ist nicht leicht. Als Motivation werden die Hunde nach jedem erfolgreichen Teilschritt mit Spielen oder Leckerchen bestätigt. „Der Hund muss gut gehorchen, aber auch selbstständig arbeiten können”, sagt Christian Oberhoff. „Wenn der Hund plötzlich doch eine Fährte hat und der Mensch ihn aber in eine andere Richtung schickt, muss der Hund sich widersetzen.” Mensch und Hund müssen ein Team werden, damit die Arbeit Erfolg hat.

Stefanie Sachse

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/458153/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musik und Gebete in Lüdenscheid
Bildgalerie
Offenen Kirchen
Pfingsttreffen der Oldtimer
Bildgalerie
MG Car Club
Knochenmühle klappert wieder
Bildgalerie
Museen im MK
Tödlicher Unfall bei Hagen
Bildgalerie
Polizei
Aus dem Ressort
Vandalismus kostet 50 000 Euro im Jahr
STL
Es wird alles kaputt gemacht, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber auch das, was eigentlich unzerstörbar scheint. Überall im Stadtbild sind Schäden augenfällig durch sinnlose Zerstörungswut, Schmierereien oder Straftaten mit offenkundigem Vorsatz wie jetzt an der Waldbühne, als in der...
Seit 100 Jahren Gnade Gottes
Freikirche
„Hundert Jahre, wir sind so alt wie die Titanic wurde, aber wir haben den besseren Kapitän“, sagte Rolf Neumann, ein Mitarbeiter der Evangelischen Freikirche Gemeinde Gottes, am Samstag bei der Jubiläumsfeier.