Solidarität mit Schwerstkranken
30.01.2012 | 17:40 Uhr 2012-01-30T17:40:00+0100
Lüdenscheid.In Deutschland könnten jährlich 1000 Menschenleben gerettet werden, wenn Spenderorgane zur Verfügung stünden. „Organspende rettet Leben“ ist Thema der Diskussionsveranstaltung, zu der die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. theol.h.c. Eckhard Nagel heute nach Lüdenscheid eingeladen hat. Der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende am Universitätsklinikum Essen, Mitglied des Deutschen Ethikrates, hat der WR ein Interview gegeben.
Sterben ist ein Tabuthema. Organspende auch?
Ich habe bei der Bevölkerung eher den Eindruck, dass sie mehr und mehr bereit ist, sich mit den Themen Sterben und Tod und damit verbunden auch mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Meiner Meinung nach muss sich eine Gesellschaft, in der bis zu drei Personen täglich sterben, weil Organspenden nicht realisiert werden, als Solidargemeinschaft auch fragen lassen, was sie dafür tut, um diesen schwerstkranken Menschen beizustehen. Wichtig ist in dieser Diskussion jedoch, dass es wirklich gute, unabhängige Informationen gibt und wir eine Kultur des Vertrauens schaffen.
Woran liegt es, dass die in Umfragen erkennbare hohe Bereitschaft zur Organspende nicht zu deutlich höheren Spenderausweiszahlen führt?
Die genaue Anzahl der Ausweisträger lässt sich nicht ermitteln. Wir wissen aber aus Umfragen, dass mehr als 80 Prozent der Menschen in Deutschland die Organspende im Allgemeinen befürworten. Zwei Drittel erklären sich grundsätzlich bereit, selbst Organspender zu sein. Allerdings zeigen diese repräsentativen Umfragen auch, dass die Zahl derer, die einen Organspende Ausweis bei sich tragen nicht über zehn Prozent liegt. Dies liegt zum einen daran, dass die Hälfte aller Befragten sich eher schlecht über das Thema Organ- und Gewebespende informiert fühlte. Zum anderen ist die Sorge im Hinblick auf den persönlichen Tod mit ausschlaggebend für die Nichtbeschäftigung mit diesem Thema.
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