Das aktuelle Wetter Luedenscheid 8°C
Heinz-Erhardt-Revue

Ritter, Reime und Romanzen

27.01.2012 | 18:18 Uhr
Ritter, Reime und Romanzen
Auf humorvolle, äußerst kurzweilige Weise gab es am Donnerstagabend im „Castello“ mit Heinz Erhardt, dem beliebtesten Komiker der Wirtschaftswunderzeit, ein Wiedersehen.

Lüdenscheid.Auf humorvolle, äußerst kurzweilige Weise gab es am Donnerstagabend im „Castello“ mit Heinz Erhardt, dem beliebtesten Komiker der Wirtschaftswunderzeit, ein Wiedersehen. Stefan Keim, der Mitte Dezember vor Ort bereits mit seiner Krimi-Comedy „Blut ist dicker als Wasser“ Furore gemacht hatte, schlüpfte in die Rolle des großen Humoristen, der die Kunst des Kalauers, der Wortspiele und verdrehten Redewendungen wie kein Zweiter beherrschte.

Herzhaft genießen und herzhaft lachen

Zwischen den drei Gängen eines schmackhaften Menüs durften die Besucher über „Ritter, Reime und Romanzen“, so der Titel des unterhaltsamen Programms, herzhaft lachen, vergnügt kichern und manchmal – wenn es etwas nachdenklicher zuging – leise schmunzeln. In der Reihe „It’s Dinner Time!“, die 2012 mit charmanten Veranstaltungen fortgesetzt wird, lief der Abend mit noch’m und noch’m Gedicht, um es mit Erhardt zu sagen.

Vor restlos ausverkauftem Haus brachte der gebürtige Hagener seinen Zuhörern im typischen Heinz-Erhardt-Tonfall die Sprachakrobatik des 1979 verstorbenen Entertainers nahe.

Setzte Keim, der an der Uni Dortmund Journalistik und in Bochum Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studierte, seine dicke, dunkle Brille auf, verwandelte er sich optisch und stimmlich in Heinz Erhardt. Nahm er sie ab, war er der kenntnisreiche Biograf des Humoristen aus Riga, der so gern Pianist geworden wäre. Auf Erhardts schwere Kindheit („Er hat siebzehn Mal die Schule gewechselt“), seine glückliche Ehe mit Gilda Zanetti, Tochter des italienischen Konsuls in St. Petersburg, und seinen Erfolg auf der Bühne, in Radio, Film und Fernsehen ging er ein. Ein intimes Liebesgedicht an sein „Zippchen“ (Küken), wie er seine Frau liebevoll nannte, gehörte ebenso zum Programm wie das kritische Gedicht „Flecke“, in dem der Humorist – ganz Zeitkritiker – fehlender Menschlichkeit und Glaubenstoleranz kräftig auf die Finger klopfte. Der lustige Heinz Erhardt, wie ihn jeder kennt, war in diesem Gedicht kaum noch wieder zu erkennen.

Erhardts angebliche Schüchternheit, was Frauen anging, nahm der Schauspieler und Kulturjournalist zum Anlass, in lockerem, ungezwungenem Plauderton unterschiedlichste Themenbereiche anzuschneiden. Mit seinen Zuhörern blieb er dabei in stetem, pointenreichen Dialog. Mit berühmten Klassikparodien aus der Feder seiner glänzend imitierten Figur – voran Goethes „König Erl“ oder Schillers „Apfelschuss“ – Opern im Schnellverfahren, wortwitzigen Chansons und schelmischen Ergüssen über Ritter, Haustiere und den liebestollen Göttervater Zeus brachte Keim seine Zuhörer zum Lachen. Prächtig amüsierte sich das Publikum.

Bekannte und unbekannte Seiten Erhardts, der seine ernsten, kritischen Gedichte nie öffentlich vortrug, streifte der Schauspieler in seinem facettenreichen Programm.

Monika Salzmann

Facebook
 
Kommentare
29.01.2012
08:29
nothing but the original
von KFR001 | #1

( nur das Original ist besser )
aber mal ernsthaft, die copy-paste reproduzierenden "Künstler" zeigen nur ihre Unfähigkeit, eigene selbständige Ideen zu finden und zu präsentieren; ganz schlimm wirds, wenn die hermeneutischen Antworten der Vergangenheit dann noch auf heutige Probleme als immer richtige, bewährte Lösungen übertragen werden.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6290391/create

Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Erste Integrative Schlagerparty
Lebenshilfe
Der Schlager eint Menschen mit und ohne Behinderungen. Das wissen die Bürgerschützen von ihren Schlagerabenden an der Hohen Steinert, und das war besonders augenfällig, als die Lebenshilfe ihren 50. Geburtstag feierte. In der Disco standen Schlager hoch im Kurs, merkten Rolf Linnepe, Birgit Kording...
Lüdenscheider Gespräche bleiben
Geschichts-Institut
„Den Kontakt über die Lüdenscheider Gespräche zu pflegen, wäre eine gute Möglichkeit.“ Nachdrücklich für eine Aufrechterhaltung der „Lüdenscheider Gespräche“, die ein großes Stammpublikum haben, spricht sich Professor Dr. Arthur Schlegelmilch, Leiter des Instituts für Geschichte und Biographie, nach...