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Kohlenmonoxid

Rettung in letzter Minute

15.02.2012 | 17:26 Uhr
Rettung in letzter Minute
Anja und Ingmar G. aus Luedenscheid mit Druckkammerleiter Hartmut Strelow (l-r) in der Mehrpersonen-Druckkammer fuer Patienten mit CO-Vergiftung der Universitaetsklinik in Duesseldorf. Foto: Bernd Lauter

Lüdenscheid/Düsseldorf.Wie eine Therapieeinrichtung sieht sie nicht aus. Eher wie ein U-Boot. Starkes Stahlgehäuse, kreisrund, mit Bullaugen auf halber Höhe. Oder wie ein abgebrochenes Flugzeug. Ohne Tragflächen, Cockpit und Heck, nur der Rumpf mit Kabinengang. Die Insassen haben Sauerstoffmasken über Nase und Mund. Ein Notfall – allerdings nicht tausende Meter hoch über den Wolken, sondern auf festem rheinischem Grund und Boden: An der Universitätsklinik Düsseldorf steht die einzige, an ein Krankenhaus angebundene medizinische Überdruckkammer Nordrhein-Westfalens.

27 Patienten gerettet

27 Patienten mit lebensgefährlichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen sind in den letzten sechs Tagen dort behandelt und letztlich gerettet worden. Darunter die vierköpfige Familie G. aus Lüdenscheid. „Es waren viele glückliche Umstände, die uns das Leben gerettet haben“, berichtet Ingmar G. der WR.

Ruhig und gefasst, aber auch nachdenklich wirkt der 43-jährige Familienvater nach dem Unglück, das alle vier Familienmitglieder überstanden haben. „Es war ein ganz normaler Samstagabend“, blickt Mutter Anja G. zurück. Bis in der Nacht gar nichts mehr normal ist.

Der schleichende Tod breitet sich in der Doppelhaushälfte in der Oberlösenbach aus: Aus der Heizungsanlage drängt das gefährliche, weil hoch giftige Gas Kohlenmonoxid (CO) unbemerkt ins Haus. Weil die Mutter nachts aufsteht, um nach dem siebenjährigen Sohn zu schauen, der stark erkältet ist, überlebt die Familie.

Die Mutter bricht im Hausflur zusammen; das dumpfe Geräusch weckt wiederum den Vater, der nachschaut und seiner Frau aufhilft. Beide bemerken: Sie werden immer schlapper, wecken schnell ihre Kinder (6 und 7 Jahre). Als der jüngere Sohn nach dem Wecken Symptome „wie bei einem Krampfanfall“ zeigt, hat Ingmar G. den lebensrettenden Gedanken.

Ihm fällt der Zeitungsbericht über eine Familie in Hamm ein, die erst vor wenigen Tagen zwei Kinder verloren hat, die eine CO-Vergiftung erlitten hatten.

Landesweit einzige Überdruckkammer

Ingmar G. macht das einzig richtige: Er greift zum Telefon und ruft die Feuerwehr. Die Familie kommt zur Erstversorgung sofort ins Kreisklinikum auf die Intensivstation; eine Notfalltherapie gibt es aber nur in rund 100 Kilometer Entfernung.

Für die beiden Söhne geht es mit dem Rettungshubschrauber nach Düsseldorf in die Uniklinik; die Eltern werden mit dem Rettungswagen gefahren. An der Uniklinik wird die Familie in der landesweit einzigen Überdruckkammer mit einer speziellen Sauerstofftherapie behandelt – und geheilt. „Es fühlte sich an wie beim Landeanflug im Flugzeug: ein Knacken in den Ohren“, berichtet Ingmar G. über die Therapie.

Gestern konnte die Familie die Klinik verlassen. „Ich bin gerade erst 43 Jahre geworden. Der Geburtstag wird ein zweites Mal gefeiert!“, steht für Ingmar G. fest. – „Den sollten sie auch ein zweites Mal feiern“, bestärkt Hartmut Strelow, der Leiter der Düsseldorfer Druckkammer. Einen CO-Sensor, der Alarm auslöst, wenn sich das geruch- und farblose Gas ausbreitet, wird sich Ingmar G. nicht wünschen – den kauft er selber.

Carsten Menzel

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