Prinzipiell geht’s Hand in Hand
08.03.2011 | 19:21 Uhr 2011-03-08T19:21:00+0100
Lüdenscheid. „Der kleine Prinz“ heißt das gemütliche Café an der Luisenstraße. Auf den ersten Blick ein Gastronomie-Betrieb wie viele andere rundherum in der Altstadt. Und so läuft es drinnen auch.
Hier arbeiten schon seit mehr als 20 Jahren Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand „mit dem Ziel, Sie als unseren Gast verwöhnen zu dürfen und durch gute Leistungen zu überzeugen“, ist im Internet-Auftritt des Cafés zu lesen. Ein beispielhaftes Projekt für Integration, aus Sicht der Lüdenscheider WR-Redaktion ganz klar ein Kandidat für den WR-Bürgerpreis.
Nur mit der Kategorie wird’s schwer: Einzelperson? Gruppe? Unternehmen? Sicher: Martin Ahrens vom Johannes-Busch-Haus als Chef tut viel für das Café, entstanden aus der Arbeit des Busch-Hauses, einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen. Doch das geht nicht ohne sein Team. Also Kategorie „Gruppe“? Auch nicht so ganz. Denn: „Ein Unternehmen sind wir schon“, sagt Ahrens. Aber eben keines im klassischen Sinne. Allein deshalb nicht, weil kein knallhart rechnender Gastwirt die Regie führt. Vielmehr sei es „erstaunlich, dass ein Verein so etwas auf die Füße stellt“, findet Ahrens. Die Freunde des Johannes-Busch-Hauses sind Träger des Cafés – und unterstützen die Arbeit im Busch-Haus selbst, damit Menschen mit Behinderungen in ein möglichst normales Leben integriert werden können. Außerdem: „Kein anderer Betrieb stellt sechs Menschen mit Behinderungen ein und arbeitet über Jahre gut damit.“
„Die laufenden Kosten für Bier-Einkauf oder Küchenherd-Reparatur tragen wir selbst“, betont Café-Chef Ahrens. Während der Trägerverein finanziell eher im Hintergrund wirkt, Geld in die Gastraum-Sanierung gesteckt und am Ende einfach das Gebäude gekauft hat, in dem „Der kleine Prinz“ heute residiert.
Wie auch immer: Das ungewöhnliche Projekt wird von allen Seiten gelobt. Etwa vom Arnsberger Regierungspräsidenten Dr. Gerd Bollermann, der es beim Besuch im Dezember „bemerkenswert“ nannte. Integration dürfe eben nicht nur in Einrichtungen, sondern müsse mitten in den Städten stattfinden, sagte im August 2009 Ex-NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann.
„Manchmal 30, 40 Personen kommen zum Mittagstisch“, berichtet Ahrens. Wechselnde Ausstellungen locken Kunst-Freunde an, und beim „Blind Date“ im Dunkel-Restaurant können „sehende Menschen sich als Menschen mit einer Behinderung fühlen“ , erklärt Ahrens – „weil sie ihre Blindheit im Gegensatz zu blinden Menschen nicht kompensieren können.“
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Hand in Hand !
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