Petra Crone: Am Rednerpult tickt der Puls wieder normal
12.02.2010 | 22:34 Uhr 2010-02-12T22:34:00+0100
Märkischer Kreis/Berlin. Gerade eingezogen muss Petra Crone (SPD) schon wieder Kisten packen. Nächste Woche steht der Umzug ins neue Büro an – drei Räume. Dabei hatte sich die Kiersperin schon vor Beginn der 17. Legislaturperiode in der Hauptstadt umgesehen.
Märkischer Kreis/Berlin. Gerade eingezogen muss Petra Crone (SPD) schon wieder Kisten packen. Nächste Woche steht der Umzug ins neue Büro an – drei Räume. Dabei hatte sich die Kiersperin schon vor Beginn der 17. Legislaturperiode in der Hauptstadt umgesehen. Mit Platz 12 auf der SPD-Landesliste konnte sie auf den Einzug ins Parlament hoffen, schon Bewerbungen potenzieller Mitarbeiter sichten. „Die Arbeit ging gleich los”, sagt Petra Crone, „obwohl wir kein Büro hatten.”
Das ist immer noch ein Provisorium. Die ca. 20 Quadratmeter im Paul-Löbe-Haus, einem Neubau für die Abgeordnetenbüros, der an Bienenwaben erinnert, stehen, mit Blick auf den Sitzungssaal des Immunitätsausschusses, drei Schreibtische, ein Regal, Fax, Kopierer. Selbst das gab's anfangs nicht.
Petra Crone und ihre beiden Mitarbeiterinnen Antje Kniffer und Susan Grzybek fanden zunächst Asyl im Büro des Siegerländers Willi Brase (SPD).
5.30 Uhr aufstehen, ab 7.30 Uhr ins Büro („damit man ein bisschen Ruhe hat”) ab 9 Uhr Sitzungen, danach Gesprächstermine, Ausschüsse. Petra Crone sitzt gleich in zweien, dem für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und dem Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zudem ist sie Schriftführerin im Plenum. Der Abgeordnetentag ende oft erst gegen 23 Uhr.
»Gestern habe ich mich verlaufen«
„Die Sitzungswochen sind schon sehr, sehr anstrengend”, räumt sie mit Blick auf die ersten 100 Tage ein. Es gebe „viel Neues, viel zu lernen und unglaublich viel zu organisieren.” Anfangs auch noch ohne Telefon und Fax. Termine einzuhalten und Distanzen im Großraum Berlin zu bewältigen, hilft der Fahrdienst des Bundestages. Anruf genügt. „Das ist schon verführerisch, wenn man dafür anfällig ist”, sagt die Abgeordnete. Bei dem engen Zeitplan und den Entfernungen gehe es aber zuweilen nicht anders.
Zeit für die Stadt oder Kultur: Fehlanzeige. „Ich bin erst einmal im Kino gewesen. Zu mehr hat die Zeit noch nicht gereicht”, sagt sie. Zum Sport komme sie auch nicht mehr.
Froh ist die Kiersperin, mit ihrem Mitarbeiterinnen „einen guten Fang” gemacht zu haben. Sie sorgen mit für einen möglichst reibungslosen Ablauf, beschaffen Informationen, regeln Termine oder reichen schon mal das Brötchen, das auf dem Weg zwischen zwei Sitzungen als Imbiss dient. Da liegt die Cafeteria am Tunnel-Eingang im Löbe-Haus strategisch günstig.
Der Tunnel verbindet Abgeordneten-Büros und Parlament. Ein weiß getünchter Betonschlauch, den Bodenstrahler aufpeppen, etwas von seiner kalten Zweckmäßigkeit nehmen. „Gestern habe ich mich völlig verlaufen”, sagt Petra Crone mit Blick auf die Treppen und Türen im Parlaments-Labyrinth mit unterirdisch angedockten Büro-Komplexen.
Petra Crone muss ins Büro, noch an der Rede feilen – ihrer ersten. „Inhaltlich muss alles stimmen.” Das Thema ist vorgegeben: Kinderschutz wirksam verbessern. Sie muss auf Vorredner reagieren, dies einarbeiten, anderes dafür weglassen. Denn: Auch die Redezeit ist vorgegeben. Je größer die Fraktion, desto mehr Redezeit hat sie. Da muss sich die SPD derzeit etwas bescheiden.
Ebenso wie bei beim Zugang zu Informationen. „Damit wird man nicht so zugeschüttet wie zu Regierungszeiten.” Die Ministerialbeamten sind zunächst dem Dienstherrn verpflichtet. Wer regiert, hat einen Informationsvorsprung oder hält Pläne erstmal unter der Decke. „Wir können alles fragen, ob wir Antworten kriegen, ist die andere Frage”, sagt Antje Kniffer.
»Man sollte authentisch bleiben«
Erst am Rednerpult sei die Aufregung von ihr abgefallen, sagt Petra Crone später. Eine Kollegin hatte vorher noch geraten, etwas Wasser zu trinken. „Reden ist anders als zuhause vor Publikum”, sagt sie später. „Es ist schon etwas Erhabenes da zu stehen.” Aber nichts zum Abheben.
Das mit dem Büro hat jetzt geklappt. Eine Visitenkarte, für die auch die Bundestagsverwaltung zuständig ist, hat Petra Crone immer noch nicht. Wichtiger als das kleine Papier-Rechteck ist ihr ihre politische Visitenkarte: Glaubwürdigkeit, Engagement. „Man sollte authentisch bleiben – äußerlich und als Person.”
Drei Fragen an Petra Crone
Welcher Ihrer Wesenszüge ist Ihnen als Abgeordnete besonders hilfreich?
Meine Neugier und mein Interesse an Menschen und gesellschaftlichen Themen sind eine gute Voraussetzung, mich schnell und mit Freude in unterschiedliche Bereiche einzuarbeiten und mich mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen. Die Verbundenheit zum Sauerland, zu meiner Familie und meinen Freunden helfen mir, geerdet zu bleiben und nicht die Bodenhaftung zu verlieren.
Was war die gravierendste Veränderung mit Antritt des Mandats in Berlin?
Zurzeit erlebe ich eine zu meinem bisherigen Alltag völlig veränderte Lebenssituation – nicht nur räumlich durch die Anwesenheit in Berlin in den Sitzungswochen, sondern vor allem auch durch den sehr engen zeitlichen Zuschnitt von Fachgesprächen, Gremien- und Plenarsitzungen, der uns Abgeordneten vorgegeben ist.
Woran wollen Sie sich nach den vier Jahren messen lassen (Was ist Ihr Maßstab für erfolgreiche Arbeit in Berlin)?
Ich möchte mich vor allem vor Ort und in Berlin intensiv für die Belange der Bevölkerung im südlichen Märkischen Kreis und im Kreis Olpe einsetzen. An den Gesetzesvorschlägen der Regierung, die die Sorgen und Nöte der Menschen aufnehmen, werde ich konstruktiv mitarbeiten.
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