Nach dem Schnee kommt das Eis
03.02.2010 | 20:53 Uhr 2010-02-03T20:53:00+0100
Märkischer Kreis. Durchatmen nach dem Schneechaos: Die etwa 20 Zentimeter Neuschnee, die in der Nacht zu gestern auf dem Oberhunscheid gemessen wurden, sollen bis auf weiteres der letzte nennenswerte Niederschlag gewesen sein.
Für einen Rekord hat es nicht gereicht – wegen des nächtlichen Regens sackte der Schnee an der Wetterstation auf 56 Zentimeter zusammen und blieb damit 14 Zentimeter unter der Rekordmarke des Jahres 1953.
Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt drohen nun allerdings andere Gefahren: Wegen der mit Schnee verstopften Gullis kann das Tauwasser vielerorts nicht abfließen und läuft in Bächen über die Straßen. In den kommenden Nächten müssen Autofahrer daher mit spiegelglatten Fahrbahnen rechnen.
Aber auch die Plusgrade sorgen für Probleme: Da der nasse Schnee zunehmend schwerer wird, warnt Markus Gumpricht vom Regionalforstamt weiterhin eindringlich davor, in den Wald zu gehen: „Die Kronen der Bäume haben jetzt Lasten im Tonnenbereich – wer davon erwischt wird, hat keine Chance.”
Zu schwer wiegt derweil für viele auch die Schneeschaufel – in den Notaufnahmen der Krankenhäuser mehren sich die Klagen über Bandscheibenvorfälle.
Weiße Berge:
Abfall oder Abwasser?
Die Städte versuchten in den vergangenen Tagen Herr der Lage zu werden, indem sie die Schneemassen abtransportieren ließen. Schnee, der angereichert mit tonnenweise Salz und Splitt nun beispielsweise auf dem Bahnhofsgelände in Lüdenscheid und auf den Schützenplätzen in Kierspe und Meinerzhagen lagert. Bis diese Berge abschmilzen, können Wochen vergehen.
Wie der kontaminierte Schnee juristisch einwandfrei entsorgt werden kann, ist nicht eindeutig geklärt, sagt Markus Geisbauer, Fachdienstleiter technischer Umweltschutz beim Märkischen Kreis: „Entweder das Material ist fest, dann handelt es sich um Abfall und muss auch so behandelt werden, oder der geschmolzene Schnee gilt als Abwasser.” Wenn das zielgerichtet in die Kanalisation eingeleitet werde, müsste eigentlich eine entsprechende Genehmigung her. Versickert das Schmelzwasser im Laufe der Zeit im Boden, müsse kein Wasserrecht bemüht werden, erklärt Geisbauer. Aber: „Die Städte räumen ja nicht aus Spaß die Straßen, sondern um die Rettungswege freizuhalten”, weiß der Kreismitarbeiter. Insofern werde es wohl auch kein formales Verfahren zur Entsorgung des Schnees geben.
Das Schmelzwasser in Flüssen und Seen stellt dagegen keine Gefahr dar: Nach Angaben des Ruhrverbandes ist kein Hochwasser zu erwarten, da der Schnee langsam schmilzt und Verse und Bigge über ausreichend Stauraum verfügen.
Zumindest für die Trinkwassergewinnung unbedenklich sind nach Angaben der Geschäftsführerin der Westfälischen Wasser- und Umweltanalytik, Ninette Zullei-Seibert, auch die enormen Salzmengen auf den Straßen. Obwohl diese nicht durch Kläranlagen abgebaut werden können, sei eine Überschreitung der Grenzwerte ausgeschlossen. Nicht vorteilhaft sei das Salz allerdings für die Gewässerökologie.
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