Mit "Comedy-Visum" auf Tour
14.02.2010 | 14:42 Uhr 2010-02-14T14:42:00+0100Lüdenscheid. „Was ist der Unterschied zwischen einem Bayern und einem Türken? - - Der Türke kann besser Deutsch!"
Mit treuherzigem Dackelblick machte sich Serhat Dogan, seit fünf Jahren mit „Comedy-Visum" in Deutschland, am Samstagabend in der Garderobenhalle des Kulturhauses gleichermaßen über seine türkischen Landsleute („Ich darf das!") wie die merkwürdigen Gepflogenheiten der Deutschen lustig. Mit seinem Programm „Danke, Deutschland! Ein Türke zwischen Kebab und Käsekuchen" setzte der Wahl-Kölner, der in einem deutschen Männercafé den Kulturschock seines Lebens erlebte, einen witzigen Schlusspunkt unter die diesjährigen Kleinkunsttage.
Feine Unterschiede
entdeckt
„Wie habt ihr denn zwei Weltkriege angefangen?", fragte er verwundert, erstaunt über die Friedfertigkeit der Deutschen, die an Zebrastreifen anhalten und für's Anrempeln in der Kneipe sogar noch ein Kölsch ausgeben. „Ich bin sicher, die anderen Länder haben eure Autos zerkratzt." (Selbst)Ironische, lustige Erkenntnisse über die feinen Unterschiede zwischen Deutschen und Türken entdeckte der Comedian, der sich als wahrer Publikumsmagnet erwies und dem Kulturhaus zum Abschluss der Kleinkunsttage ein rappelvolles Haus bescherte, seinem lachenden Publikum.
Gewohnte Gemütlichkeit ging durch die - infolge des Andrangs notwendige - Reihenbestuhlung allerdings verloren. Kulturelle Unterschiede fand Serhat Dogan, der die Lüdenscheider auf amüsante Weise auf einen Beitritt der Türkei in die EU vorbereitete („Ihr lacht, aber wir sind bald in der EU!"), im Fußballstadion, beim Mülltrennen wie in Sachen Romantik. Macht ein Deutscher im Liebesbrief einen Heiratsantrag, schmachtet er: „Willst du meine Frau werden?" Ein Türke fühlt sich genötigt und schreibt: „Mama hat gefragt, warum wir nicht heiraten!"
Mit dick Gel, ärmellosem T-Shirt und bis zum Anschlag hochgezogener Hose tauchte Serhat Dogan in die Machowelt einer türkischen Disco ein. Sportlich, sportlich und köstlicher Slapstick, wie er nach zehn Bier einen türkischen Machotanz zelebrierte und die zwickende Hose vergaß. Dass besoffene Deutsche auf Mallorca genauso albern herum hüpfen, kam natürlich gleichfalls auf den Tisch.
Per Tagebuch ließ Serhat Dogan seine Zuhörer an ersten Eindrücken von Deutschland, Bayern, die Bier aus Aquarien trinken, und glatzköpfigen Hoyerswerdern, die sich über einen Türken mit Vorliebe fürs Klatschen wundern, teilhaben. Treuherzig und naiv bestaunte er das Land seiner Träume, wo die Menschen ins Sonnenstudio gehen, um Sonne zu tanken. „In der Türkei gehen wir raus, wenn wir Sonne haben wollen." Mittlerweile weiß wie Schafskäse, mühte er sich mit dem Mülltrennen redlich. Pech nur, dass er gelbe und blaue Tonne verwechselte.
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