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Rechenschwäche

Mathe – der ewige Stolperstein

30.11.2009 | 17:38 Uhr
Mathe – der ewige Stolperstein

Lüdenscheid. „Eine 4 geht in den Wald spazieren, eine 3 kommt dazu.” Der kleine Jan sollte zur Aufgabe 4 + 3 eine Rechengeschichte erfinden. Jetzt sein Ergebnis: „4 + 3 = 2” (Die 4 ist eine, die 3 ist eine, macht 2). André „zerlegt ” eine 8 in zwei Nullen, eine kleine und eine größere.

Die Symptome von „Dyskalkulie” (Rechenschwäche) schilderte Lerntherapeut Wolfgang Hoffmann am Dienstagabend überraschend vielen Zuhörern. In der zweiten Dezemberwoche will das Mathematisch Lerntherapeutische Zentrum Dortmund/Bochum auch in Lüdenscheid Test und Therapie im Vortragsort H. M. Schleyer-Haus am Staberg anbieten.

„Lassen Sie das Üben, und schon gar nicht das schriftliche oder mit Vorlagehilfen!” Kopfrechnen ist zunächst angesagt, sonst würden nur die falschen mathematischen Vorstellungen verstärkt, riet Hoffmann den Eltern. Die kamen mit nervenraubenden Erfahrungen mit ihren vom Alptraum Rechenschwäche geplagten Kindern. Im Gegensatz zur Lese/Schreibschwäche Legasthenie ist die Dyskalkulie noch nicht lange bekannt, wirkt aber genauso: Aggressive Kinder, an denen Eltern und Lehrer verzweifeln. Dabei leisten die oft mehr als Rechenstabile: Mit Geschick, Auswendiglernen, Schematisieren quält sich Kind als Zählmeister ohne Ahnung durch die Schule. Doch dann kommt mit Algebra und linearen Gleichungen die Katastrophe. Sehr lernstarke Schüler können es mit ihrer Dauer-Sechs in Mathe sogar bis zum Abitur schaffen. Aber um welchen Preis: Die Kinder werden schulmüde und geben auf, die Eltern auch.Da nichts verstanden wird, ziehen sich die Hausaufgaben endlos hin, zig Nachhilflehrer werden verschlissen, die Kinder gelten als faul und dumm.

Sandy schildert im Film ihre schreckliche Mathe-Biografie: Die 26-jährige schaffte mit ihrer Gnadenfünf sogar den Realschulabschluss. In Mathe auf dem Stand einer Schulanfängerin, dachten alle, sie wäre faul. Das Arbeitsamt vermittelte Stellen mit unerlässlichen Mathe-Kenntnissen. Sandy wurde positiv auf Dyskalkulie getestet, fängt jetzt wieder in der 1. Klasse an. und wird etwa zwei Jahre für die nötigen Rechenkenntnisse brauchen. Ungefähr 400 000 Sandys gibt es in Deutschland, meint der Referent.

Marlis Denkert

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