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Poetry-Slam

Lüdenscheid besonderer Ort für Dichterwettstreit

24.08.2010 | 20:23 Uhr
Lüdenscheid besonderer Ort für Dichterwettstreit
„World of Wordcraft“: Marian Heuser will Poetry-Slam-Abende in Lüdenscheid etablieren. Foto: Paffendorf

Lüdenscheid.Klassische Literaturabende haftet der Beigeschmack des Angestaubten, leicht Elitären an. Jedenfalls in den Augen der Autoren, die morgen Abend in der Gaststätte Dahlmann ihre Texte vortragen. „Den üblichen Wasserglas-Lesungen fehlte einfach der Pepp“, erklärt Organisator Marian Heuser die Entstehung des Poetry-Slam.

Die Idee zu dieser Form des Dichter-Wettstreits soll 1984 in Chicago entstanden sein. „Neu war sie auch damals keineswegs“, weiß der 26-jährige Herscheider. Schon in der Antike maßen sich Literaten in Vorträgen. „Das ist nur über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten.“

Marian Heuser jedenfalls tut alles, um diese Tradition fortzuführen: Als Autor, als Moderator und jetzt auch als Organisator von Poetry-Slams. „Für Slammer ist es immer angenehm, wenn der Moderator weiß, wovon er spricht“, erklärt Heuser das Hin und Her zwischen den Rollen: „Und Kontakte in der Szene sind bei der Organisation wichtig, denn auch hier gilt: die Künstler kommen nicht überall hin.“

Hintergrund
Fast alles ist erlaubt

Die Teilnehmer dürfen beim Poetry-Slam in der vorgegebenen Zeit (hier 6 Minuten) alles vortragen, solange es selbst geschriebene Texte sind: Prosa, Gedichte, Kochrezepte...

Der Vortrag darf nicht durchgängig gesungen werden. Musikinstrumente sind ebenso tabu wie Verkleidungen.

Das sogenannte Speedspeaking ist nur eine Kunstform. Die Texte können auf der Bühne gelesen und frei oder auch im Freestyle (frei improvisiert) vorgetragen werden.

Der Wolf im Rahmenprogramm

Dass Marian Heuser über das nötige „Vitamin B“ verfügt, zeigt die Teilnehmerliste am Donnerstagabend: Torsten Sträter (amtierender NRW-Meister aus Dortmund), Schriftstehler (der Slammer mit den wohl meisten Auftritten im deutschsprachigen Raum), Andi Substanz (die Gedankenfabrik aus Münster) und im Rahmenprogramm der Rapper und Disco-Jockey Der Wolf (Oh Shit, Frau Schmitt / Gibt’s doch gar nicht).

Heuser hat den Slam in der Gaststätte Dahlmann nicht nur um des netten Abends willen geplant. Er will die rege Szene in der Region stärken und Lüdenscheid als Standort etablieren. Deshalb sind auch Local Heroes wie Daniel Martin und WR-Mitarbeiter Fabian Paffendorf dabei.

Wie so oft, gilt auch beim Poetry-Slam: Die Mischung macht’s. Von unterhaltend bis nachdenklich möchte Heuser die ganze Vielfalt präsentieren. „Slam kann lustig sein, muss aber nicht. Wir sind schließlich kein Ableger vom Quatsch-Comedy-Club.“

Publikum entscheidet

Bei der unvermeidlichen Moderatorenfrage, wer noch nie bei einem Poetry-Slam gewesen sei, gehen immer zig Hände hoch, rechnet Heuser mit einem breit gefächerten Publikum, das nicht nur zuhören soll. Das Publikum entscheidet, wer den Dichterwettstreit gewinnt – als bekanntlich härteste Jury der Welt.

Schon im WR-Gespräch wird deutlich: Da sitzt einer, der mit Sprache arbeitet. „Ich habe mit 16 angefangen, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben.“ Dann näherte er sich dem Hip-Hop, „kam aber mit dem Beat nicht klar“. Während des Studiums in Münster lernte er Poetry-Slam kennen. Inzwischen bombardiert der Slammer Marian Heuser seine Zuhörer mit präzise gesetzten Worten. „Die Wucht der Worte soll förmlich erschlagen“ – auch Donnerstag bei „World of Wordcraft“.

Volker Lübke

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