Lehrer – Quereinsteigen leicht gemacht
09.01.2009 | 17:52 Uhr 2009-01-09T17:52:00+0100Märkischer Kreis. Neue Lehrer braucht das Land. Die größten Lücken klaffen in den Fächern Technik, Naturwissenschaften aber auch Deutsch und Englisch. Das Berufskolleg für Technik des Märkischen Kreises (BKT) in Lüdenscheid nutzt jetzt ein neues Instrument zur Anwerbung neuer Kollegen.
Mussten Seiteneinsteiger ohne Staatsexamen bislang zumindet ein abgeschlossenes Universitätsstudium mitbringen, so genügt jetzt ein Fachhochschulabschuss, erklärt Schulleiter Werner Lemmert. Vor allem Ingenieure für die technischen Fächer werden händeringend gesucht. „Wir lassen niemanden allein”, verspricht der Schulleiter. Diplom-Ingenieure sollen nach einer halbjährigen Einführungsphase ein zweites Unterrichtsfach nachstudieren. Dafür werden sie zur Hälfte freigestellt, aber voll bezahlt.
Elf Stellen sind am BKT in Lüdenscheid zurzeit nicht besetzt. Dem stellvertretenden Schulleiter Karl-Jürgen Schmidt fehlen bei der Unterrichtsplanung Kräfte für 280 Stunden. Sämtliche Technikfächer in den Bereichen Metall und Elektro sind betroffen. Selbst das Fach Fahrzeugtechnik wird inzwischen zum Problem. Der Boom der Automobilbranche der letzten Jahre habe den Markt an Fachkräften leergefegt, so die BKT-Leitung.
Technischer Nachwuchs fehle auch in der Wirtschaft, erklärt Jari Wischmann, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg: „Das schlägt natürlich auch auf die Schulen durch.” Über die Öffnung der Möglichkeiten zum Seiteneinstieg hoffe das Schulministerium die Lücken schließen zu können. Ob das gelingt ist fraglich. „Vielleicht arbeitet uns die aktuelle Wirtschaftsflaute ein bisschen zu”, sucht BKT-Leiter Werner Lemmert nach einem Hoffnungsschimmer. Immerhin: Das Interesse an Technik und Naturwissenschaften scheint allgemein wieder zu wachsen. Bis das auf die Zahl der Lehramtsabsolventen durchschlägt vergehen aber Jahre. Karl-Jürgen Schmidt: „Wir zahlen heute den Preis für die Technikfeindlichkeit vergangener Jahre.”
Bei den ausbildungsspezifischen Fächern werde zuletzt gekürzt, sagt BKT-Leiter Werner Lemmert: „Wenn wir bestimmte Dinge nicht anbieten, stehen unsere Schüler auf der Straße. Und ohne Ausbildung kommen sie irgendwann wieder zu uns.” Die Qualifizierung der Jugendlichen ohne Berufsausbikldung für den Arbeitsmarkt über so genannte Jungarbeiterklassen verschiebe das Problem nur.
Allein im vergangenen Jahr wurden am Technikkolleg des Märkischen Kreises zehn Prozent mehr Auszubildende unterrichtet als 2007. Insgesamt 3300 Schüler – teils in Vollzeit – besuchen das BKT in Lüdenscheid. Wenn die 120 Lehrer nicht bald Verstärkung bekommen, sehen Lemmert und Schmidt zumindest die noch verträglichen Klassenstärken von 25 bis 28 Schülern gefährdet.
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