Kultur als Rezept gegen Leerstand
29.05.2011 | 19:25 Uhr 2011-05-29T19:25:00+0200
Märkischer Kreis.Ladenlokal zu vermieten. Wohn- und Geschäftshaus zu verkaufen. Nachfolger gesucht. In manchen Schaufenstern besteht die einzige Dekoration aus der Telefonnummer eines Immobilienmaklers. Leerstände machen nahezu allen Städten im Kreises zu schaffen.
Das Motto „Hauptsache kein Leerstand“ treibt Wirtschaftsförderer und Stadtmarketing-Experten um. Mancher kommt dabei auf findige Ideen. Und oft finden sich Gleichgesinnte, die sich einbringen.
Längst haben Unternehmen das Potenzial entdeckt, die leeren Geschäfte für Werbezwecke zu nutzen. Der Lüdenscheider Leuchtenvertrieb Rixlicht setzt bereits seit einigen Jahren freie Schaufenster fürs eigene Renommée ins Licht. Die VHS Volmetal will leere Geschäfte künftig kulturell nutzen. Am vergangenen Mittwoch lud die VHS-Krimiwerkstatt zur Autorenlesung ins ehemalige Musikgeschäft Roadsound in Kierspe.
Not macht erfinderisch. Deshalb will Altena das große Rad drehen. Der Burgaufzug werde deutlich mehr Menschen in die Innenstadt bringen, ist Stadtplaner Roland Balkenhol sicher. Damit die nicht zwischen leeren Schaufenstern flanieren, sondern möglichst viel Geld in der Stadt lassen, soll ein Krämerdorf entstehen. „Wir stellen uns eine Mischung aus touristisch orientiertem Einzelhandel, Gastronomie und Kunst- und Kunsthandwerk vor“, erklärt Balkenhol. Wir, das ist in diesem Fall ein Verein, der sich gerade gründet. Fördermittel sind quasi schon auf dem Weg. Altena ist eine von deutschlandweit fünf Kommunen, die am Bundesforschungsprojekt Experimenteller Wohnungs- und Städtebau teilnehmen. Es geht um die Frage, wie Fördermittel für besondere Problemlagen gezielt gebündelt werden können, so Balkenhol.
Ohne die Eigentümer kann auch der rührigste Verein das Krämerdorf in der weitgehend verwaisten Lennestraße nicht installieren. „Wir müssen den Eigentümern Perspektiven aufzeigen“, so der Stadtplaner.
Zumindest eine Beteiligung an den laufenden Nebenkosten könnte für die Hausbesitzer dabei herausspringen, wenn z.B. Langzeitarbeitslose mit dem Verein zu Geschäftsleuten werden und irgendwann vielleicht richtige Mieten bezahlen können.
„Die Kommunen schaffen es nicht mehr aus eigener Kraft, den Kaufkraftverlust abzufedern.“ Deshalb setzen auch Geschäftsführer Bernd-Martin Leonidas und sein Team beim Meinerzhagener Stadtmarketingverein auf „Leute von außerhalb“. Wie in Altena setzen die Stadtvermarkter auch an der Volme auf die Regionale 2013. Sogar einen Aufzug haben sie im Visier – jedoch keinen unterirdischen, sondern einen gläsernen zum „Balkon zum Sauerland“ an der Mattenschanze am Portal zum Wanderweg „Sauerland Höhenflug“.
Anders als in Altena steht nicht nur dieses Vorhaben völlig in den Sternen. Mit kleinen Aktionen vor Ort versucht der Marketingverein das Geschäftesterben zu stoppen. „Alle wissen, dass man nur zusammen vorankommen kann, aber das Konkurrenzdenken bremst noch viele Einzelhändler“, weiß Leonidas. Das fange bei gemeinsamen Öffnungszeiten an. „Wenn wir es schaffen, dass alle Geschäfte während der Pausen von Stadtverwaltung, Banken und des größten Arbeitgebers, der Firma Fuchs geöffnet sind, könnten wir schon einiges an Kaufkraft binden.“
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