„Klinikum keinesfalls überflüssig“
03.01.2012 | 16:04 Uhr 2012-01-03T16:04:00+0100
Lüdenscheid.Ganze Kliniken aus Kostengründen schließen, zumindest überflüssige Betten-Kapazität abbauen, mehr medizinische Versorgung ambulant – das fordert der Chef der seit Januar 2010 fusionierten, nunmehr größten Krankenkasse Barmer GEK, Christoph Straub. „Der Mann hat völlig Recht“, sagt dazu Prof. Dr. Rolf Larisch, Leitender Ärztlicher Direktor des Klinikums Lüdenscheid. Schließen? Das müssten dann aber in der Region ganz andere Häuser, meint er.
Komfort-Station nicht für Kassenpatienten
Sicher: Man könnte das Klinkum in Hellersen mit seinen rund 1000 Betten dicht machen und die 15 Krankenhäuser im restlichen Märkischen Kreis mit jeweils 80 bis 150 Betten erhalten, zeichnet Larisch ein Szenario. Oder: Man erhält das Klinikum, „das effizient arbeitet“ und spart im Umland: „Das wäre dann wahrscheinlich die bessere Entscheidung“, meint der Klinik-Chef.
Einfach sei das natürlich nicht, sagt Larisch. Selbst wenn wie in Altena, Plettenberg oder Balve grundsätzlich „die Einsicht da ist, dass ein Krankenhaus geschlossen werden muss“, sei damit noch nichts gewonnen. Wenn sich vor Ort Bürgerinitiativen dagegen gründeten, „zucken die Lokalpolitiker oft zurück“, bedauert Larisch. Dabei sei es doch ausdrückliches Ziel des bundesweit geltenden Versorgungsstrukturgesetzes, unter anderem durch gesunde Konkurrenz der Krankenhäuser zu einer effizienteren medizinischen Versorgung zu finden. Letztlich sei das auch für die Bürger von Vorteil.
„Deshalb haben wir ja auch die Gynäkologie in der Stadtklinik Werdohl geschlossen“, nennt Larisch ein Beispiel dafür, dass sich die Märkische Kliniken GmbH von den Sparzielen im Gesundheitswesen nicht ausnimmt.
Konsequente Schließungen kompletter Häuser – damit sei dann eben auch der Bettenabbau verbunden, so Larisch, wie ihn Krankenkassen-Chef Straub fordere. Betten oder ganze Stationen in bestehenden Einrichtungen zu streichen, so Larisch, mache dagegen nur Sinn, wenn zugleich beim Personal gespart werde – das sei nämlich der eigentliche Kostenfaktor. Aber „hier in Lüdenscheid sind wir ja voll ausgelastet“.
Wie es es dem Bürger dann aber zu vermitteln, dass am Klinikum gerade für fast sieben Millionen Euro eine neue Komfort-Station mit rund 40 Betten gebaut wird? „Die errichten wir ja nicht für die Versicherten der Barmer GEK“, betont Larisch. Die Maßnahme komme vielmehr den Privat-Patienten entgegen. Das Klinikum sei in den 80er Jahren auf Betreiben der damaligen SPD-Regierung in Düsseldorf in abgespeckter Form errichtet worden, erklärt Larisch. Auch deshalb habe man in Sachen Komfort deutlichen Nachholbedarf. Aber nur bei der Unterbringung, betont der Klinikdirektor. Denn behandelt werde der Privatpatient etwa in denselben Operationssälen wie der Kassenpatient.
Auch der Forderung Straubs nach mehr Versorgung ambulant würde das Klinkum gerne entgegenkommen, so Larisch – würden auf diesem Wege auch die technischen und räumlichen Kapazitäten des eigenen Hauses besser ausgelastet. Dafür aber müsse es für die Krankenhäuser leichter werden, mit niedergelassenen Ärzten intensiver zusammenzuarbeiten. Doch genau das werde nicht zuletzt durch zwei getrennte Abrechnungssysteme – Stichwort Fallpauschalen in den Krankenhäusern – eher behindert.
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