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Im Winter braucht's ein dickes Fell

27.01.2010 | 00:00 Uhr
Im Winter braucht's ein dickes Fell

Märkischer Kreis. Zehn Grad unter Null. Otto, selbst fast weiß wie Schnee, beeindruckt das beim abendlichen Sparziergang mit Herrchen nicht. Der West Highland Terrier schnüffelt interessiert im Schnee. „Bis 15 Grad Minus können die raus. – Hat die Tierärztin gesagt”, meint Herrchen.

Schließlich geht's nach der halbstündigen Tour auch wieder ins warme Zimmer. „Die kurzhaarigen Hunde werden alle reingeholt”, schildert Marlene Möller, Pflegerin im Lüdenscheider Tierheim Dornbusch, ihre Vorsorgemaßnahmen bei Eis und Schnee. Die Hunde kommen in Boxen. Ein Gebläse pustet warme Luft in die Behausung. „Die Klappen werden nachts zugemacht, damit es schön warm wird”, schildert die Tierpflegerin.

Hunde mit langem Fell wie Retriever, Schäferhund oder Neufundländer können selbst entscheiden, wie sie dem Frost begegnen – sich die frische Luft um die Nase wehen lassen oder in die Box auf eine Wärmeplatte verkriechen.

Man muss sich den Hund genau ansehen, sagt Dr. Uwe Peuser: Ein ordentliches Unterfell sei wichtig, um gegen extreme Temperaturen geschützt zu sein. „Fängt er draußen an zu zittern und klemmt die Rute ein, ist das ein Zeichen, dass er friert”, so der Lüdenscheider Tierarzt: „Wenn Hunde in Bewegung bleiben, ist Kälte kein Problem.” Nur: Herrchen sollte beim Gassigang nicht stehen bleiben, um ein Schwätzchen zu halten. Deshalb sollte man im Winter die Spaziergänge etwas verkürzen, dafür öfter gehen. Einen Richtwert, ab wann es dem Hund zu kalt wird, könne es schon wegen der unterschiedlichen Rassen nicht geben. Peuser: „Schlittenhunde laufen bei Kälte erst zur Hochform auf.”

Ähnliches gilt für Katzen. Die sollten, so Tierarzt Dr. Uwe Peuser, nach Möglichkeit nachts im Haus gehalten werden. Im Katzenhaus des Tierheims Dornbusch gibt's eine Fußboden-Heizung. „Die haben's schön kuschelig”, sagt Marlene Möller.

Das Pflege-Team ist bei strammen Minusgraden zusätzlich gefordert. Es muss einen Ofen in Gang halten. „Auch damit es warmes Wasser gibt”, sagt Möller. Am späten Nachmittag stocht sie nochmals mit Holz und Kohle. Ein Mitarbeiter legt zwischen 22 Uhr und Mitternacht nach. „Das hält bis zum Morgen.”

Heizen muss Henning Wolf nicht, wohl aber das Thermometer im Auge behalten. „Den Tieren macht die Kälte nichts”, weiß der Bio-Bauer aus Halver. Die Rinder stehen „auf einer dicken, warmen Strohmatte. Wenn die hier auf Beton lägen, ginge das nicht”, sagt Wolf. Sein Vieh steht zwar unterm Dach, zwischen den Stützen pfeift aber der Wind durch. „Problematisch wird es, wenn Schnee reinweht”, sagt Wolf. Dann werde das Stroh feucht.

Und: Das Tränken hält den Landwirt auf Trab. „Abends wird das Wasser abgelassen, damit die Leitungen nicht einfrieren.” Morgens können die Rinder an die Wasserstellen. Dann leert Wolf die Rohre wieder. Nachmittags gibt's für zwei Stunden Wasser.

Milchkühe machten das nicht mit. Sie stehen im normalen Stall. Denn: „Die brauchen durchweg eine gesicherte Wasserversorgung”, erklärt der Landwirt. Für Henning Wolf ist klar: Nicht die Tiere sind das Problem, sondern die Technik. Etwa im Stall. Da friert ab 13 Grad unter Null die Entmistungs-Anlage ein. „Die Gülle friert dann im Stall fest. Und das macht dann wirklich viel Arbeit.” Deswegen deckt Wolf die auch noch ab. Ganz bio: mit Stroh.

Pferde können problemlos ganzjährig draußen stehen, sagt Dr. Markus Paul: „Sie brauchen natürlich einen Unterstand, um sich vor Wind und Regen schützen zu können.” Aber: Man muss Pferde, die im Stall untergebracht waren, frühzeitig daran gewöhnen, erklärt der Werdohler Tierarzt. „Spätestens Ende August sollte man Pferde, die im Offenstall überwintern sollen, an das Leben im Freien gewöhnen, damit sie genügend Zeit haben, Winterfell zu entwickeln.”

Pferde in Boxenhaltung entwickeln weniger Winterfell. Die sollten bei den aktuellen Temperaturen natürlich nur mit Decke auf die Weide, so Paul. Hustende, fiebernde Pferde seien besser im luftigen Stall als auf der Weide aufgehoben. „Insgesamt sind Pferde weniger kälteempfindlich als wir Menschen. Trotzdem sollte man Pferde, die beim Reiten ins Schwitzen geraten sind, im Winter ausgiebig trocken reiten”, rät der Tierarzt.

Rüdiger Kahlke und Volker Lübke

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