Hot Club kommt ins Rentenalter
14.02.2012 | 20:32 Uhr 2012-02-14T20:32:00+0100
Iserlohn. Klauende Bands, Konzerte von Weltstars und ein verheerendes Feuer: In seiner Geschichte hat der Hot Club Iserlohn 1952 schon einiges erlebt. In diesem Jahr feiert der Laden, der nach Angaben des Jazzinstituts Darmstadt der älteste noch bestehende Jazzclub Deutschlands ist, seinen 60. Geburtstag.
Werner Gecks Augen leuchten, wenn er von den Anfangsjahren erzählt. „Bei uns waren die absoluten Größen des Jazz – Elvin Jones, Bill Coleman, Klaus Doldinger, Kurt Edelhagen“, berichtet der pensionierte Polizist, der seit 1955 Mitglied des Jazzclubs ist und selbst als Jazzpianist mit dem einen oder anderen Weltstar auftrat.
Wem er dies alles zu verdanken hat, ist für Geck klar: „Die Briten haben den Jazz nach Iserlohn gebracht.“ Während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sie sich eine Militär-Bigband aufgebaut. „Sie bestand aus deutschen Kriegsgefangenen, die von den Briten freigelassen wurden, als sie merkten, dass die Deutschen Instrumente spielen können und dass sie sie als Band gebrauchen könnten“, erzählt Geck.
Inspiriert von dieser Bigband gründete sich 1952 der Hot Club Iserlohn, der schon bald selbst Weltstars aus den USA anlockte. Hartmut Tripp, selbst Musiker und Urgestein der Iserlohner Jazz-Szene erinnert sich an vor allem an einen Auftritt des Bebop-Saxophonisten Sonny Criss 1962: „Da bin ich fast in Ohnmacht gefallen, so unglaublich war das.“ Werner Geck (Piano) und Jörg Deitenbach (Bass) hatten die Ehre mit Criss auf der Bühne zu stehen.
An eine Band haben die Clubmitglieder besondere Erinnerungen: das Sun Ra Arkestra aus San Francisco. „Einige Tage nachdem die Gruppe abgereist war, fiel auf, dass es im Club nicht mehr kälter wurde“, berichtet Club-Geschäftsführer Daniel Zobel. Schließlich stellte sich heraus, dass die Herren alle Heizungsventile geklaut hatten.
1977 ging ein lange gehegter Wunsch der Iserlohner Jazzer in Erfüllung: Karlheinz Klüter, der später das Balver Jazzfestival organisierte und heute in der Türkei lebt, gelang es, von der Stadt einen Keller loszueisen, der unter dem Namen Henkelmann als Clubdomizil diente. Der größte Schock kam 1988. Während unten im Jazzkeller der Trompeter Laco Deczi spielte, brannte das Obergeschoss des Gebäudes an der Friedrichstraße aus. Der Henkelmann, wurde durch das Löschwasser unnutzbar. Nur der Flügel, der heute über 100 Jahre alt ist, konnte gerettet werden.
Gut zwei Jahre lang war der Club danach heimatlos. Dann kam der Neustart. „Früher in Kellern war es eng, man musste mit fremden Menschen einen Sessel teilen, irgendwie war es aber auch gemütlich“, erinnert sich HCI-Vorsitzende Tyrid Cornelissen, die bereits als Kind mit ihren Eltern Konzerte im Hot Club besuchte. In den neuen Räumen war alles viel größer, vor allem die Bühne. Auch in der Musik öffnete sich der Club zunehmend Stilrichtungen am Rande des Jazz.
Nicht viele Eltern empfahlen ihren Kindern in den 50er und 60er Jahren den Besuch des Hot Club. Hartmut Tripp hat die Worte, wenn er Jazz hörte, noch heute im Ohr: „Mach das Gedudel aus!“
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