Hoffen, dass Schüler gesund kommen
11.08.2009 | 21:43 Uhr 2009-08-11T21:43:00+0200Märkischer Kreis. Die Ferien werden nicht verlängert. Das erfuhren auch die Schulleiter erst gestern Mittag aus dem Radio.
165 von ihnen ließen sich zuvor vom Kreis-Gesundheitsamt im Lüdenscheider Geschwister-Scholl-Gymnasium über Vorsorgemaßnahme zur Schweinegrippe informieren. „Eine Massenveranstaltung mit ziemlich hohem Ansteckungsrisiko”, kommentierte Helmar Leidag, Leiterin der Hauptschule Rahmede, das Treffen, bei dem es „eigentlich nichts Neues zu erfahren gab”, so der Leiter der Lüdenscheider Gesamtschule Michael Lohr.
"Natürlich ist Vorsicht geboten, aber andere Massenveranstaltungen finden ja auch statt, außerdem ist nicht davon auszugehen, dass die Schüler dann wirklich zu Hause bleiben, sondern auch in ihrer Freizeit am öffentlichen Leben teilnehmen”, so Gerhard Müller Frerich, Chef am Märkischen Gymnasium Iserlohn. „Wir haben ,nur' 34 H1N1-Fälle im Märkischen Kreis mit zumeist äußerst mildem Verlauf. Eine Verlängerung der Ferien wäre eine zu radikale Maßnahme mit einem nicht adäquaten Nutzen”, sieht es Bernhard Ingelbach, stellv. Leiter des Berufskollegs des Kreises in Iserlohn ähnlich. Für ihn kommt eine temporäre Schulschließung erst in Betracht, „wenn es tatsächlich zu zahlreichen Infektion von Schülern gekommen ist”.
Wie die Grundschule Neuenrade, mit gut 520 Schülern die größte im Kreis, haben sich viele Schulen bereits auf die hygienischen Herausforderungen vorbereitet. Das meiste wurde bereits im Vorfeld thematisiert: keine Küsschen zur Begrüßung, kein Händeschütteln etc. „Wir haben schon seit längerer Zeit Flüssigseife und Papierhandtücher. Das muss nicht erst noch besorgt werden”, bleibt Rektorin Christa Sacher gelassen.
Die gestern verkündeten Maßnahmen bis Montag umzusetzen, wird „ein Kraftakt”, weiß Kathrin Brenner, Leiterin des Kommunalen Immobilienmanagements Iserlohn. Sie hat bereits 1200 Seifenspender allein für Iserlohner Schulen bestellt.
Dies und die Aufforderung, die Klassenräume täglich nass zu wischen, sowie Handläufe und Türklinken häufig zu desinfizieren, bringt erhebliche Mehrkosten für die Schulträger, meint Frank Zibirre, Leiter des Anne-Frank-Gymnasiums Halver: „Das mag man sich gar nicht ausrechnen.”
Lüdenscheids Kämmerer Karl Heinz Blasweiler hat die Mehrkosten tatsächlich noch nicht kalkuliert, sieht aber grundsätzlich kein Problem: „Wenn's brennt, muss gelöscht werden. Über die Finanzierung des Löschwassers muss man später reden.” Schließlich halte die Stadt nicht für alle Eventualitäten Sondertöpfe vor.
Gesamtschulleiter Lohr bleibt gelassen: „Ich vermute, die wenigsten waren auf Mallorca oder gar in Mexiko.” Der Staat habe seine Fürsorgepflicht erfüllt, sieht er die gestrige Veranstaltung eher als Übung: „Im Grunde können wir nur hoffen, dass unsere 1300 Schüler und die Lehrer am Montag gesund hier ankommen.” Schließlich sei Schule kein steriler OP, bezweifelt Lohr den Effekt der Maßnahmen. „Von besseren Checks in Reisebussen und Urlaubsfliegern würde ich mir mehr versprechen.”
Im Zweifel müssten Schüler und Eltern bei ersten Grippesymptomen zum Arzt gehen, um sich untersuchen zu lassen, hieß es gestern. „Dass diese Tests selbst bezahlt werden müssen, das halte ich für ganz schlimm”, kritisiert Heribert Müller, Leiter der Gemeinschaftshauptschule Halver. hey/mare/jj/müthi/ala
0mitdiskutieren