Hell entlockte Orgel flüsternde Melodien
18.01.2009 | 18:30 Uhr 2009-01-18T18:30:00+0100Er ist erst 23 Jahre alt und wird bereits weltweit mit Lob für sein Können überhäuft: Felix Hell, Konzert-Organist und Ausnahmemusiker. Umso erfreulicher, dass er nach Konzerten zwischen New York und Moskau nun auch erneut den Weg nach Lüdenscheid fand, um seine Zuhörer zu begeistern.
Der junge Mann war von den Organisatoren der Christuskirche mit Bedacht eingeladen worden. Erst vor zwei Jahren hatte Hell an der Walcker-Orgel konzertiert und sein Publikum erfreut, obwohl das Instrument aus dem Jahr 1902 merkliche und hörbare Schwächen gezeigt hatte.
Nun ist die Restaurierung vollzogen. Mit fast 300 000 Euro war das Instrument aus Zeiten der deutschen Orgelromantik mit einem schlüssigen Gesamtkonzept zu neuem Glanz zu erhoben worden. Am Samstag bewies Felix Hell, dass dieses Konzept passt. Der Klangreichtum, begründet in 36 Registern und vielfältigen Kopplungsmöglichkeiten der drei Manuale und des Pedals untereinander, gereicht nun auch den filigransten Werken romantischen Schaffens zur Ehre.
Und so wählte Hell sein Programm passend zur Orgel. Nach dem obligatorischen Johann Sebastian Bach (Präludium und Fuge Es-Dur) in klassischer, mathematisch präziser Intonation, spielte der Musiker die Sonate Nr. 2 in c-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dessen fließende Opulenz mit reichlicher Nutzung romantischer Stilmittel wie Vorhalte oder Nebenharmoniken zeigte die Möglichkeiten der Orgel. Hell zeigte Einfühlungsvermögen bei der Registrierung, ließ Akkorde kraftvoll und stark voranschreiten, um später mit zurückhaltender Registerwahl sanfte Melodien flüstern zu lassen.
Das Können des jungen Mannes ist über Zweifel erhaben. Mit 12 Jahren war er Jungstudent an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg, mit 14 hatte er bereits ein Vollstipendium an der renommierten Juilliard School in New York inne. Seither lebt der Pfälzer in den USA, was sich auch an sprachlichem und musikalischem Habitus zeigt. Effektvoll und ohne Schüchternheit kredenzt er dem Publikum besondere akustische Freuden. Hauptsächlich zwischen Spätromantik und Impressionismus angesiedelte Werke prägten das samstägliche Konzert. Dabei konnte Hell die Möglichkeiten der Orgel voll ausschöpfen und Namen wie Eugene Gigout, Max Reger, Maurice Durufle und Feliox-Alexandre Guilmant als Komponisten hochemotionaler Tondichtungen zu neuen Ehren führen.
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