Genießer-Trio macht Appetit auf Dichtkunst
01.04.2011 | 16:52 Uhr 2011-04-01T16:52:00+0200
Lüdenscheid. „ Es wird mit Recht ein guter Braten gerechnet zu den guten Taten, und dass man ihn gehörig mache, ist weibliche Charaktersache…“.
Mit Texten und Gedichten von Wilhelm Busch, dem beim Anblick eines guten Bratens das Wasser im Mund zusammenlief, Joachim Ringelnatz, Herbert Grönemeyer, Heinz Erhardt und vielen anderen gingen Rudolf Sparing, Peter Zimmer und Gerhard Winterhager am Donnerstagabend im Caveau der Lust und Qual des Essens auf den Grund.
„Lirum, Larum, Löffelstiel“ war die genussvolle Premiere des kulinarisch-literarischen Abends in der Weinbar überschrieben. Zwischen die drei Gänge eines schmackhaften Überraschungsmenüs betteten die drei Genießer ihre spitzfindigen, ironischen und humorvollen Sprüche, Verse und Geschichten, die Appetit auf Lyrik und Dichtkunst machten. In Herscheid wiederholen die drei Rezitatoren heute Abend im Hotel „Zum Adler“ ihr appetitliches Programm. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.
Bekannte Texte wie die Mär vom „Suppen-Kaspar“ aus dem Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann („Der Kaspar, der war kerngesund, ein dicker Bub und kugelrund“), in der Mehrzahl jedoch weitgehend unbekannte Texte rund ums Essen brachten die drei Lüdenscheider ihrem sichtlich amüsierten Publikum nahe.
Mit Witz und Charme
Lebendig und anschaulich, mit Witz und Charme schauten sie Dichtern und Bänkelsängern aus unterschiedlichen Epochen auf den Teller. Lüdenscheider „Vertellekes“, die schmunzeln ließen, gehörten genauso zum humorvollen Programm wie Herbert Grönemeyers Loblied auf die Currywurst. „Gehste inne Stadt, wat macht dich da da satt? Ne Currywurst!“
Mit Dialekten kannten sich die drei Gourmets ebenso gut aus wie mit Tischsitten, edlen Tropfen und hochprozentigen Genüssen. Pointen brachten sie verschmitzt und präzis auf den Punkt.
„Red nicht mit vollem Mund“, empfahl da der Schuhmacher Hans Sachs, der sich redlich um „Die Tischzucht“ und untadeliges Benehmen bei Tisch bemühte.
Von Hermann Lausberg stammte die nüchterne Erkenntnis, dass – mangels Personal - feine Leute in der Küche essen. Schalk blitzte in „Des Märkers Wochenplan“ – montags Dicke Böhnchen und Tönchen, dienstags Grünkohl und Wurst und so fort –, dem „Lustmord“ an der Zwiebel (Joachim Ringelnatz) und Heinz Erhardts Plädoyer für Fischgerichte („Wozu gibt’s die Gräten?“) auf.
Nach jedem „Ich kann nicht mehr“ rief eine neue Köstlichkeit einen Prasser zurück an den Tisch. Als Zungenbrecher durfte ein Loblied auf den Borschtsch (Mascha Kaléko) nicht fehlen.
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