Ganze Siedlungen weggerissen
10.02.2012 | 00:00 Uhr 2012-02-10T00:00:00+0100
Lüdenscheid.Seit August 2011 ist die 19jährige Lüdenscheiderin Tabea Bartsch, die ihr Abitur am Bergstadt-Gymnasium gemacht hat, als Missionarin auf Zeit (MaZ) auf den Philippinen. Mit zwei anderen Freiwilligen der Steyler Missionsschwestern(SspS) lebt sie in der Stadt Davao im Süden des Landes, auf der Insel Mindanao, und arbeitet in verschiedenen Sozialprojekten.
Nachdem im Dezember der Taifun Sendong im Norden Mindanaos eine Spur der Verwüstung hinterließ, beschlossen die drei kurzerhand über Silvester nach Cagayan de Oro, eine der am stärksten betroffenen Städte, zu fahren und bei Hilfsaktionen mitzuwirken. Hier ist Tabeas Bericht:
„Nach fast zehnstündiger Busfahrt für die 400 Kilometer wurden wir von einer Freundin abgeholt. Erst sah alles relativ normal aus, doch spätestens bei einer Brücke über den Cagayan River wurden die verheerenden Auswirkungen der Sturzflut sichtbar, die die sintflutartigen Regenfälle des Tropensturms ausgelöst hatten: z.B. ein Holzhaus, das von den Wassermassen auf die Brückenbrüstung getrieben worden war. Auch standen überall in der Stadt Menschen an Hydranten an, da die Wasserversorgung in der gesamten Stadt zusammengebrochen war. So mussten auch wir uns mit nur einem Eimer Wasser täglich duschen.
Am Tag nach unserer Ankunft sind wir mit Mitgliedern der Junior Chamber International (JCI) in einige besonders betroffene Barangays (Stadtteile) gefahren. Dort verteilten wir in Notunterkünften oder auf der Straße ein einfaches Mittagessen, Lebensmittel- und Kleidungspakete und Milch für die Kinder.
Armut und Not sind auf den Philippinen leider nichts Besonderes, aber durch „Sendong“ haben nochmals viele Menschen einfach alles verloren. Von der Flut und seiner Zerstörung besonders betroffen sind allein in Cagayan de Oro etwa 20 000 Familien. Über 3000 Menschen kamen ums Leben, und immer noch werden mehr als 700 vermisst.
Überall waren Suchanzeigen zu sehen. Am bewegendsten war es für mich, die Geschichten von Überlebenden zu hören, zu sehen, wie ganze Siedlungsteile einfach weggerissen sind und wie versucht wurde, die stehengebliebenen Häuser zu säubern. Diese sind von innen und außen bis auf das Dach mit Schlamm verschmutzt, weil das Wasser innerhalb kürzester Zeit über die Höhe des ersten Stockwerks gestiegen war. Bilder, die man nur aus dem Fernsehen kennt und leicht wieder verdrängt, plötzlich hautnah.
Die anderen Tage unseres Hilfseinsatzes haben wir in der Xavier University verbracht und mit netten Studenten Kleidung und Lebensmittel sortiert und sogenannte Family Packs zusammengestellt. Dabei musste, von Unterwäsche über Zahnbürsten bis Reis, an alles gedacht werden.
Wiederaufbau geht stetig weiter
Beeindruckend war für mich auch die große Hilfsbereitschaft der Philippinos. Viele, die selbst nicht akut betroffen waren, haben Aktionen praktisch oder durch Spenden unterstützt. Besonders in den ersten Tagen ging die Hilfe für die Opfer mehr von privaten Organisationen als der Stadtregierung aus, die nun stark in der Kritik steht. Trotz des Ausmaßes an Zerstörung, Leid und Not der Menschen empfand ich die Stimmung auf Seiten der Helfer in der Stadt als sehr angenehm und es tat gut, so konkret mit anpacken zu können.
Mittlerweile leben viele Familien in neuen, längerfristigen Unterkünften und der Wiederaufbau geht stetig weiter.“ Aktuelle Informationen dazu gibt es im Internet, http://tabangsendong.xu. edu.ph/, leider nur auf Englisch.
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