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Lebensgeschichte

Flüchtlinge schildern ihre Sicht auf Deutschland

20.02.2010 | 10:27 Uhr

Märkischer Kreis. Tragische Lebensgeschichten und heitere Betrachtungen über die deutsche Sprache – dieser Mix kennzeichnet ein WR-Gespräch mit Mohamed Sahib Kaba und Saleh Alomari.

Die beiden ehemaligen Flüchtlingen schildern im Hinblick auf den heutigen Welttag der sozialen Gerechtigkeit und dem Tag der Muttersprache am Sonntag ihre Sicht auf Deutschland. Eines wird in dem Gespräch schnell klar: Die (Mutter-)Sprache ist einer der wichtigsten Bestandteile des sozialen Netzwerkes.

Mohamed Sahid Kaba ist 43 Jahre alt. Vor neun Jahren flüchtete er aus Guinea. „Als ich nach Deutschland kam, war mir alles fremd. Ich musste darauf vertrauen, dass mir Leute helfen.” Die Zugfahrt von Hamburg nach Dortmund zur zuständigen Behörde wurde zum Spießrutenlauf. „Wenn ich umsteigen musste, habe ich immer auf mein Ticket gedeutet, um den Menschen klarzumachen, wo ich hin musste.”

Im späteren Asylbewerberheim wurde Mohamed mit Vorurteilen konfrontiert. „Dreckige Vandalen” nannte man sie. „Viele hatten Probleme mit der Polizei. Die Leute sahen mich komisch an, wenn sie hörten, wie schlecht ich Deutsch sprach. Ich konnte nicht einmal die Zeitung lesen, um herauszufinden, was um mich herum passiert. Ich habe mich wie jemand gefühlt, der nie zur Schule gegangen ist.” Es hat lange gedauert, sagt er, bis er die Kultur und die Menschen verstehen konnte. Das gelingt dem Lüdenscheider bis heute nicht vollends.

Saleh Alomari lebt seit 14 Jahren in Deutschland. Ob er sich integriert fühlt nach so langer Zeit? „Natürlich, ich habe hier schon einen Platz auf dem Friedhof bestellt”, sagt der Lüdenscheider scherzhaft und fügt hinzu: „Ich fühle mich hier zuhause, seit ich auf Deutsch Träume.” In seiner alten Heimat Jordanien fühlte Saleh sich als Fremder. „Ich war kein Moslem und war mit der Regierung, mit der Diktatur nicht einverstanden.” Auch seine Arbeiten als Anwalt machten ihm in der Politik keine Freunde.

In Deutschland beeindruckte den Jordanier vor allem die Ordnung. „Aber Deutsch ist so eine unlogische und unordentliche Sprache”, sagt er. Allem voran machen ihm die drei Artikel zu schaffen. In seiner arabischen Mentalität ist ihm vor allem eines völlig unverständlich: „Das Herz ist eines der wichtigsten Organe, die der Mensch hat. Und ihr gebt ihm einen sachlichen, einen toten Artikel.” Saleh hinterfragt die Sprache, wie ein Einheimischer es nie tun könnte. „Es heißt der Esel und das Pferd. Aber das Pferd ist doch viel weiter entwickelt als der Esel.”

Salehs Familienangehörige können seine Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, nicht verstehen. „Ich kann in Jordanien nicht mehr leben. Ich will Teil einer Demokratie sein.” Auch ein politischer Umsturz in seiner Heimat würde nichts daran ändern.

Bei Mohamed ist das anders. Er hat Frau und Kind in Guinea. Seine Tochter hat er noch nie gesehen. „Sie warten auf mich”, sagt er. Aber die Wahrheit ist, dass er auf sie wartet. Er wartet, dass sie nach Deutschland kommen dürfen, denn Mohamed kann nicht zurück in seine Heimat.

Stefanie Sachse

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