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Freiberufliche Mediziner

Feilschen um die Arbeit am OP-Tisch

29.03.2010 | 21:53 Uhr

Märkischer Kreis. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage hat inzwischen auch Notarztwagen und OP-Tische erreicht. Freiberufliche Mediziner nutzen den Ärztemangel an den Kliniken, um für sich das Optimum herauszuholen.

Wer mit den „Freelancern” kurzfristig Lücken im Stellenplan schließen will, muss fast den doppelten Betrag zahlen, den ein festangestellter Klinikarzt verdient.

Auch in den Märkischen Kliniken sind die Freiberufler längst nicht mehr wegzudenken. Angesichts von bis zu 35 unbesetzten Stellen stehe man vor der Wahl, OP-Räume zu schließen, oder auf die Dienste der Freelancer zurückzugreifen, so der Ärztliche Direktor der Märkischen Kliniken, Professor Rolf Larisch.

Kopfjäger suchen

nach Medizinern

Besonders gefragt und teuer sind derzeit Betäubungsärzte. Weil die bei jeder Operation gebraucht werden, sind sie auf dem freien Markt schon lange nicht mehr zu bekommen. „Wir haben schon Headhunter (Kopfjäger) eingeschaltet, aber nach Anästhesisten suchen die gar nicht mehr”, berichtet Larisch. Kein Wunder also, dass die meisten der etwa zehn Freelancer, die durchschnittlich bei den Märkischen Kliniken arbeiten, Anästhesisten sind.

Einen anderen Weg geht das St.-Vinzenz-Krankenhaus in Altena. Obwohl auch hier allein im chirurgischen Bereich 1,5 Stellen unbesetzt sind, werde versucht, den Mangel nach Möglichkeit „irgendwie anderweitig auszugleichen”, so der Ärztliche Direktor, Dr. Hans-Hellmut Baumeister. Der Grund: „Freelancer sind für uns einfach zu teuer.”

Die Reduzierung des ärztlichen Berufes auf das Finanzielle macht die Freelancer bei vielen festangestellten Kollegen nicht allzu beliebt. In Diskussionsforen von Medizinern im Internet reichen die Schmähungen von „Wanderärzte” bis „Stationsstricher”.

Obwohl beide Klinikdirektoren davon ausgehen, dass die Zahl der Freelancer weiter zunehmen wird, gehen die Meinungen über Gegenmaßnahmen auseinander. Um den Mangel an Ärzten zu verringern, wäre Larisch sogar bereit, über die Zahl der Kliniken und Ausnahmen vom Arbeitszeitgesetz zu diskutieren.

Sein Kollege Baumeister ist da völlig anderer Meinung, doch zumindest in einem Punkt herrscht Einigkeit: Über eine bessere Bezahlung der festangestellten Ärzte ist das Problem nicht zu lösen.

Jörg Jung

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Kommentare
09.04.2010
21:37
Feilschen um die Arbeit am OP-Tisch
von fliegermikel | #1

... Reduzierung des ärztlichen Berufes auf das Finanzielle... Wie kommen ausgerechnet 2 Chefärzte und ärztliche Direktoren zu solch einer Kritik.Bekanntlich arbeiten die auch nicht für hohle Nüsse, sondern lassen ihre Privatpatienten durch Oberärzte und alte Fachärzte behandeln um das ganze dann aber stets selbst abzurechnen, ohne den Oberärzten/Fachärzten etwas abzugeben. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.
Auch kann ich die Meinung der Kollegen bzgl. der Problemlösung nicht ganz teilen.
Ich bin selbst aus 2 Gründen Honorararzt.
Zum einen wegen des Geldes, jedoch nicht hauptsächlich. Vor allem wegen der katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern durch vorsichtig ausgedrückt Missachtung der Ärzte durch die Verwaltungen und viele bzgl. Menschenführung völlig inkompetenter Chefärzte.
Zusammenfassend möchte ich sagen.
M.E. ließe sich das Problem ganz einfach lösen
1. Verbesserung der Arbeitsbedingungen
2. Adäquate Bezahlung
Welche Berufsgruppe verdient an Ostern, Pfingsten, Weihnachten, und Silvester weniger als an normalen Werktagen???
Sicher ist das Jammern über 5700 € brutto/Monat ein Jammern auf hohem Niveau. Aber es ist mir überhaupt nicht peinlich nach Abitur, 6 Jahren Studium, 6 Jahren Facharztweiterbildung und 4 Jahren Tätigkeit als Facharzt. Sicher, man kann noch zusätzlich Geld verdienen. Der Haken ist nur, man KANN nicht, man MUSS, und das für einen deutlich geringeren Stundenlohn und zu vorgegeben Zeiten. Ob ich Weihnachten arbeiten will oder nicht interessiert bei der Dienstplangestaltung im Zweifel niemanden, vor allem nicht die o. g. ärztlichen Direktoren und Chefärzte => die feiern zu Hause!!!!

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