"Fataler Absturz" der SPD - Sieg auf niedrigem Niveau für CDU
27.09.2009 | 23:55 Uhr 2009-09-27T23:55:00+0200
Zwei, drei, vielleicht sogar vier Abgeordnete werden den Märkischen Kreis künftig in Berlin vertreten. Dagmar Freitag holte für die SPD zum vierten Mal in Folge das Direktmandat im Wahlkreis MK II. Dr. Matthias Heider holte im Wahlkreis MK I/Olpe 50,8 Prozent der Stimmen.
Christel Voßbeck-Kayser (CDU) verlor weniger (-4,7 Prozent) als ihre SPD-Kontrahentin Freitag, schaffte aber den Direkteinzug ins Parlament nicht. „Ich kann stolz sein, gegen eine etablierte Kandidatin so viele Stimmen geholt zu haben”, meinte Voßbeck-Kayser.
Im Wahlkreis 150 MK I/Olpe tritt Dr. Matthias Heider als Abgeordneter für die CDU in die Fußstapfen von Hartmut Schauerte. Gelassen, fast stoisch verfolgte Heider die eingehenden Wahlergebnisse im Olper Kreishaus. „Ich freue mich, dass ich dem Ergebnis meines Vorgängers Hartmut Schauerte recht nahe gekommen bin”, sagte der Lüdenscheider der WR.
Petra Crone gab sich geschlagen
SPD-Frau Petra Crone musste sich geschlagen geben. „Dieser fatale Absturz der SPD macht traurig”, sagte die Kiersperin. Sie sieht die große Koalition als Grund. „Die Erfolge wurden der Kanzlerin zugeschrieben, die SPD ging als Juniorpartner unter”, so ihre Analyse nach den ersten Hochrechnungen von gestern Abend. Das habe viele SPD-Wähler enttäuscht. Die seien deshalb zu den Linken abgewandert oder gar nicht erst zur Wahl gegangen, so Crone. Für die 59-Jährige blieb der Abend dennoch eine Zitterpartie: Mit Platz 12 auf der Reserveliste glaubte sie sich recht gut abgesichert. Ob das tatsächlich reicht, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.
Als strahlender Sieger präsentierte sich Johannes Vogel (FDP) im Kreishaus in Olpe: „Ich hatte zwei Wünsche, die haben sich beide erfüllt” – die schwarz-gelbe Mehrheit und seinen Einzug in den Bundestag. Der junge Liberale dürfte mit Platz 16 auf der Landesreserveliste dabei sein.
Mit 5,8 Prozent hat Christian Röner das Ergebnis der Grünen im Wahlkreis MK I/Olpe bei den Erststimmen gegenüber 2005 mehr als verdoppelt. „Wir konnten die SPD-Wähler nicht gewinnen, analysiert er. Die seien entweder zur FDP oder zu den Linken abgewandert. „Ich weiß gar nicht, wie schwarz-gelb regieren will”, kommentierte Röner die Hochrechnungen. Es bleibe abzuwarten, ob die CDU nicht die FDP an der Frage der Steuersenkungen „über die Klinge springen” lasse.
„Nach einer gewonnenen Wahl kann man zwei Tage vor Kraft nicht laufen, aber das regelt sich schon”, sagte CDU-Kreisvorsitzender Bernd Schulte auf die Differenzen zwischen CDU und FDP angesprochen. Als strahlender Sieger sieht er die CDU nicht. Vielmehr sprach er von einem Sieg auf niedrigem Niveau: „Die erdrutschartigen Verluste der SPD können für uns kein Grund zur Häme sein.”
Die Wahlbeteiligung ging im gesamten Märkischen Kreis um weitere 7 Prozentpunkte auf nur noch 69,1 Prozent zurück. Die Kandidaten bezeichneten das einhellig als Katastophe. Heider: „Die Bürger haben offenbar nicht verstanden, dass es sich um die wichtigste Entscheidung in unserem Gemeinwesen überhaupt handelt. Und das gilt wohl auch für Südwestfalen.”
Man müsse sich genau anschauen, wer nicht gewählt habe, so Johannes Vogel. Er glaubt indes, gerade junge Wähler mit dem Thema „Schutz der Bürgerrechte” angesprochen zu haben.
Siegerinnen sollten anders aussehen als Dagmar Freitag gestern im Iserlohner Rathaus. Selbst als fest stand, dass sie erneut als Direktkandidatin in den Bundestag einziehen würde, wirkte sie wie gelähmt.
Grünen-Kandidatin Elke Olbrich-Tripp sprach angesichts einer schwarz-gelben Regierung von einem Horrorszenario. „Ich wundere mich, dass soviele Leute die FDP gewählt haben”, obwohl jetzt damit zu rechnen sei, dass alle zu erwartenden Grausamkeiten eintreten werden. Als fünfte Kraft hinter den Linken könnten die Grünen nicht zufrieden sein. Anders als sie selbst: „Wir haben im Kreis geholt, was zu holen war”, kommentierte sie.
0mitdiskutieren