„Erfolgsmodell für Familien und Kinder “
19.01.2011 | 18:35 Uhr 2011-01-19T18:35:00+0100
Lüdenscheid.Vier Jahre nach der Verleihung des Gütesiegels müssen sich die ersten Familienzentren neu zertifizieren. In Lüdenscheid sind es das effzett am Hebberg in städtischer Regie und die Rappelkiste des SOS-Kinderdorfs. Beide Einrichtungen hatten in der Startphase am Pilotprojekt teilgenommen, damals noch ohne finanziellen Anreiz.
Verbunden ist die Rezertifizierung mit erheblichem bürokratischem Aufwand. Doch insgesamt ziehen die Beteiligten eine positive Bilanz.
Ob das Familienzentrum ein Erfolgsmodell ist? Ursula Speckenbach, Abteilungsleiterin der städtischen Kitas und Koordinatorin der acht Lüdenscheider Familienzentren, muss darüber kurz nachdenken. „Für Familien und Kinder auf jeden Fall“, sagt sie dann – und letztlich stimme das „in gewissem Maße“ auch für die Einrichtungen selbst. „Sie öffnen sich nach außen, rücken stärker in den Blick der Öffentlichkeit.“
Übereinstimmend sprechen die Befragten aber auch über die Rahmenbedingungen, die von Anfang an problematisch waren und geblieben sind. Die Kitas, die Familienzentrum werden wollen, müssen einen immensen Arbeitsaufwand „nebenbei“, das heißt ohne personelle Verstärkung stemmen. Das bleibt im Regelfall bei der Einrichtungsleitung hängen, weil die Mitarbeiterinnen in der Gruppe voll ausgebucht sind. Am deutlichsten formuliert das Detlef Palme, Leiter des Familienzentrums des Kinderdorfs: „Die Freistellung der Leitung müsste grundsätzlich Kriterium für das Gütesiegel sein.“
Ganz so weit geht Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder nicht, aber eine Ausweitung der Tätigkeit sei jedenfalls nicht ohne zusätzliches Personal möglich. Das gelte insbesondere für das langfristige Ziel, die Einrichtungen verstärkt auch für ältere Menschen in den Stadtteilen zu öffnen. Doch zunächst würden die Zentren Anlaufstelle für junge Familien bleiben, und das werde immer wichtiger angesichts des erkennbaren Erosionsprozesses von Familien.
Die Öffnung nach außen und die verstärkte Vernetzung im jeweiligen Stadtteil – darin sieht im effzett Hebberg auch Gabi Zirm-Schrenner genau wie Schröder die Vorzüge des von der alten Landesregierung angeschobenen Modells. Bei ihr und ihrer Kollegin Gabi Böhme laufen die Fäden zusammen – aber auch die meiste Arbeit auf in Sachen Familienzentrum.
Wenn die Einrichtung weiter das Gütesiegel führen will, ist wieder ein dicker Ordner abzuarbeiten. Beurteilt wird nicht, was in den vergangenen vier Jahren geleistet wurde, sondern ein Spektrum von insgesamt acht „Leistungs-“ und „Strukturbereichen“ mit zahlreichen Unterpunkten.
Die „Bedienungsanleitung“ fürs Gütesiegel ist 24 Seiten lang, nicht besonders verständlich und liegt abschnittsweise auch nicht sonderlich nah an der Realität: So müsste die Rappelkiste des Kinderdorfs ihre Kooperationspartner in nicht mehr als 1,5 Kilometer Entfernung nachweisen – am Dickenberg wird das nicht einfach.
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