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Eine Kita, bunt wie das Leben

08.02.2012 | 00:00 Uhr
Eine Kita, bunt wie das Leben
Regina Göttmann (Augen Bildmitte) kümmert sich um Kinder mit erhöhtem Förderbedarf.

Lüdenscheid.Es ist einer der ältesten Kindergärten in Nordrhein-Westfalen, vielleicht sogar der älteste: Am 3. März feiert der Kindergarten Wiesmannstraße, der eigentlich nach Friedrich von Bodelschwingh benannt ist, seinen 160. Geburtstag.

Seit 1852, nur wenige Jahre nach der ersten Kindergartenstiftung 1840 durch Friedrich Wilhelm August Fröbel in Blankenburg, nahm in Lüdenscheid die evangelische Kirche ihren ersten Kindergarten in Betrieb.

Genauer gesagt, war es der Evangelische Frauenverein, der den Bedarf erkannt hatte. Heute heißt es Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dasselbe passierte in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Industrialisierung in Lüdenscheid.

Auch Frauen gingen in die Fabriken – und die Kinder auf die Straße. Und so eröffnete der erste Kindergarten der Stadt seine Türen zunächst in einer nicht benötigten Wachstube im Alten Rathaus, vier Jahre später in einem Kellergeschoss der neu eröffneten Nordschule (Schulstraße 23, später Corneliusstraße). Und seit 1992, seit nunmehr 120 Jahren, ist der Kindergarten jetzt an der Wiesmannstraße ansässig.

Im Laufe dieser Jahre dürften Tausende Lüdenscheider Kinder die Einrichtung durchlaufen haben, unter ihnen auch der amtierende Bürgermeister Dieter Dzewas, wie Leiterin Brunhilde Zeisler sagt, die von den Kindern und Kolleginnen „Bruni“ gerufen wird. Der Umgangston ist herzlich an der Wiesmannstraße, wo man sich der Tradition der Einrichtung und der Verbundenheit zur Evangelischen Kirche ebenso bewusst ist wie der Anforderungen, denen sich der multikulturelle Betrieb in einem bunten Stadtviertel stellen muss. Mehr als 60 Prozent der Kinder kommen aus muslimischen Familien vorwiegend aus der Kluse. Elf Nationen sind in den beiden Regelgruppen im wohl kinderreichsten Lüdenscheider Stadtteil vertreten.

„Wir sind beliebt bei den ausländischen Familien, weil sie wissen, dass wir Werte vermitteln“, sagt Brunhilde Zeisler, die eigentlich studierte Sozialarbeiterin ist und auch als Gemeindepädagogin und Suchtberaterin tätig war. „Wir sagen den Eltern, ,wir sind Christen’, aber wir kümmern uns auch darum, dass die Kinder kein Schweinefleisch essen“, umreißt sie den Umgang der Kulturen miteinander an der Wiesmannstraße.

Florian Hesse

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