Ein Dorf fürchtet ums Kulturleben
09.02.2012 | 19:11 Uhr 2012-02-09T19:11:00+0100
Meinerzhagen.Seit 430 Jahren gibt es den Schützenverein Valbert. Das karnevalistische Brauchtum dürfte noch älter sein. Im vierten Jahr organisiert Christoph Last den Ebberock. Jetzt könnte ein Neubürger allen den Garaus machen, die in der einzigen Veranstaltungshalle in Meinerzhagen Valbert feiern.
So wie den Valberter Veranstaltern geht es vielen: Einzelne Anwohner, die sich in Hörweite niederlassen, sorgen mit Beschwerden und juristischen Klagen für Stress bei den Organisatoren und für Unmut in der Bevölkerung. In Iserlohn wird letztlich aus diesem Grund die Schützenhalle an anderer Stelle neu geplant. In Kierspe-Rönsahl musste die Open-Air-Veranstaltung auf Gut Haarbecke (mitten im Wald) abgesagt werden. Inzwischen wird die Konzertreihe auf Sparflamme weitergeführt.
Ähnliches droht jetzt dem Valberter Schützenverein, der auch drei weithin beliebte Karnevalsveranstaltungen organisiert, sowie dem Macher des Ebberock und letztlich der Stadt Meinerzhagen. Die hat als Eigentümerin ein Interesse daran, die Halle zu vermieten: Türkische Hochzeiten, Winterparty, Treffen der Feuerwehrmusikzüge und anderes mehr findet in der Halle statt.
Die Ebbehalle ist der Dreh- und Angelpunkt des Kulturlebens in dem 1900-Seelen-Dorf. Schützen-Vorsitzender Dominik Busch: „Ich habe mich in den letzten Wochen mehr mit dem Landesimmissionsgesetz beschäftigt als mit dem Karnevalsprogramm“. Im Detail gehe es um die Nachtruhe, in der sich der Anwohner gestört fühle. Das Problem sind laut Busch noch nicht einmal die Veranstaltungen selbst, sondern die Leute, die anschließend singend und lachend nach Hause gehen. Die Schützen wollen den Streit nicht eskalieren lassen. Busch: „Nach der Karnevalssitzung sind wir im Dorf Patrouille gelaufen um für Ruhe zu sorgen.“
„Die Halle (in den 1970er Jahren gebaut) war zuerst da“, sagt Ortsvorsteher Fred Oehm: „Wer da siedelt, weiß, dass Traditionsfeste Lärm machen.“ Ordnungsamtschef Hans Erich Schmidt mochte „zu dem laufenden Verfahren nicht Stellung nehmen“. Christoph Last sieht „seinen“ Ebberock in Gefahr: „Es ist ein Unding – da verdirbt ein Einzelner den Veranstaltern und der Stadt die Möglichkeit, den Menschen etwa zu bieten.“ Inzwischen bahnen sich Kompromisse an. Wie weit die tragen, bleibt abzuwarten.
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