Dessous mit röhrenden Hirschen
18.01.2012 | 18:07 Uhr 2012-01-18T18:07:00+0100
Lüdenscheid.Theaterstücke, die auf der Bühne der Renner sind, werden gern verfilmt. In der Regel gilt: erst das Stück, dann der Film.
Bei der Stefan Vögel-Komödie „Altweiberfrühling“, auf deren Tourneepremiere sich „Das Ensemble“ (Berg) seit Tagen im Kulturhaus vorbereitet, war es genau umgekehrt. Erst der Film, dann das Stück. Nach dem Drehbuch des Erfolgsstreifens „Die Herbstzeitlosen“ von Sabine Pochhammer und Bettina Oberli, erfolgreichster Schweizer Film des Jahres 2006, schrieb Vögel sein Stück.
„Film und Theater lassen sich nicht miteinander vergleichen“, erzählt Katerina Jacob, die beim Wunschstück ihrer Mutter Ellen Schwiers erstmals verantwortlich die Regiearbeit übernommen hat. „Die Zeitsprünge, die im Film vorkommen, sind so nicht darstellbar.“
Wie sie das Problem gelöst hat, ist heute Abend ab 19.30 Uhr im Theatersaal zu sehen. Ein Riesenstück Arbeit hat sich „Das Ensemble“ mit der Komödie um die verwitwete Martha Jost alias Ellen Schwiers, die sich nach dem Tod ihres Mannes einen Mädchentraum erfüllt und mit ihren Freundinnen eine eigene Dessous-Boutique eröffnet, aufgebrummt.
Erst der Film, danndas Bühnenstück
Angefangen von der Sprache, die viele Schweizer Redewendungen – fremd für hochdeutsche Ohren – enthielt und „verschlankt“ werden musste, bis hin zu den Dessous mit Trachtenmotiven, die nirgends fertig aufzutreiben waren und zeitaufwendig von Hand aufgenäht werden mussten, hielt das Stück schon im Vorfeld jede Menge Stolpersteine für die ambitionierte Crew bereit.
„Unsere Schneiderin hat vier Tage und vier Nächte genäht“, so die Regisseurin, die für die aufwändige Arbeit am neuen Stück des Ensembles sogar auf ihre Hochzeitsreise verzichtete.
Reizwäsche mit röhrenden Hirschen und anderen alpenländischen Motiven kann Martha Jost, die nach dem Tod ihres Mannes in ein schwarzes Loch fällt und dann beharrlich – zum Entsetzen der biederen Dorfbewohner – ihren Traum verwirklicht, in ihrem schmucken Laden verkaufen.
„Eine wahre Kostümschlacht“, viele Umzüge, viele Kostümwechsel gehören zum Stück. Liebe zum Detail findet sich in den winzigsten Requisiten, in der Musik (Tom Leoni) und vielem mehr.
Das aufwändige Bühnenbild hat das Ensemble aus Frankfurt, wo bereits eine Bühnenfassung des Erfolgsfilms zu sehen war, übernommen.
Allerdings ist Marthas Laden nicht grün-grau wie dort, sondern schneeweiß. Auf ein Durchschnittsalter von 62,5 Jahren kommt die Darstellerriege, von Katerina Jacobs liebevoll „Jopi Heesters Nachwuchstruppe“ genannt, die auf anrührende Weise von der zweiten Chance im Leben erzählt.
Gerhard Mohr spielt Marthas Sohn Walter, einen stockkonservativen Pfarrer, der den elterlichen Laden eigentlich für eigene Zwecke verwenden will.
Jopi Heesters Nachwuchstruppe
Gemeinsam mit Martha, einer Paraderolle für Ellen Schwiers, rütteln Eva Röder (Lisi), Dagmar Hessenland (Frieda) und Hilde Vadura (Hanni) kräftig an eingefahrenen Sitten und Konventionen. Zünglein an der Waage im amüsanten Spiel sind Holger Schwiers als Fritz Meyer und Caroline Hetényi als Lisis Tochter Shirley.
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