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Friedrich Schorlemmer:

Der Osten bleibt die Heimat – „trotz DDR”

04.02.2010 | 18:34 Uhr

Lüdenscheid. „Heimat, das ist der Schatz unserer Erinnerungen, das ist das, was uns prägt."

Weniger an Orten, sondern an prägenden Ereignissen, Erfahrungen und Erinnerungen machte Friedrich Schorlemmer, Pfarrer und prominenter Protagonist der Opposition in der DDR, am Mittwochabend in der Bücherei den Begriff der Heimat fest. Trotz widriger Witterungsverhältnisse war die Veranstaltung mit dem Theologen, Publizist und Bürgerrechtler sehr gut besucht. In der Reihe „eingeladen + vorgestellt" stellte der in der Altmark aufgewachsene Schorlemmer sein neues Buch „Wohl dem, der Heimat hat" - ein sehr persönliches, intimes Buch - vor.

„Mein” sagen ohne

Besitzanspruch

Dabei verstand er die Einladung zur Buchpräsentation nicht als Lesung. Vielmehr suchte er seinen Zuhörern den Begriff der Heimat und sein Verständnis davon in einem Vortrag näherzubringen und persönlich mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen - was ihm trefflich gelang.

Er werde oft gefragt, ob die DDR ihm Heimat war, nahm Schorlemmer („Die Gnade der Geburt führte mich in den Osten") den Gesprächsfaden auf. „Ja, sie war es, trotz DDR!” An Geschmäckern und Gerüchen, dem Duft der Weihnacht im elterlichen Haus und dergleichen mehr machte er den Schatz seiner Erinnerungen fest. „Wenn's auf Weihnachten zugeht und es wird nicht mehr zu Hause gebacken, können Sie Weihnachten vergessen."

Auch schmerzliche Dinge wie den Verlust eines Bruders, der in jungen Jahren starb, zog er zur Definition des Heimatbegriffs heran. „Heimat ist, wenn wir 'mein' sagen können, ohne dass es etwas Besitzanzeigendes hat." Gleiches gelte für „Erinnerungen, die wir nicht wiederholen können, wohl aber die Illusion dieser Erinnerungen.” Als Glück bezeichnete es Schorlemmer, dass sein Vater Pfarrer war. „Ich war von vornherein ein Feind. Ich hatte gar keine Chance, mit den Wölfen zu heulen." Wie viele „mit den Wölfen heulten" zeigten Bilder wie das Foto seiner Klassenkameraden beim Fahnenappell. „Ich fand die DDR schlimmer, als es sie gab. Heute sehe ich das anders." Auf die deutsche Einheit („Die deutsche Einheit wird erst vollzogen sein, wenn genauso viel Zeit vergangen ist, wie es die DDR gab - 40 Jahre!"), Stasi-Bespitzelung, die er als Studentenpfarrer und später erlebte, und Filme über die DDR wie den Streifen „Die Frau vom Checkpoint Charly" kam der streitbare Publizist zu sprechen. Als „fürchterliche Horrorklamotte" bezeichnete er den Checkpoint Charly-Film. „Dann kommen wir nicht zusammen, wenn wir das nicht differenzierter betrachten." Ihm selbst habe das Nachdenken über die Heimat sehr viel gebracht, schloss er seinen Vortrag. Sein Buch sei deswegen jedoch nicht als Heiligsprechung der Heimat zu verstehen. „Der, der nie sein Nest verlassen hat, ist für andere schwer bekömmlich.”

Monika Salzmann

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