Christliches Profil schärfen
12.02.2010 | 15:39 Uhr 2010-02-12T15:39:00+0100Lüdenscheid. „Glauben leben. . .” heißt das Thema der Gemeindetage 2010 in der Christuskirche – und ein ganz prominenter Gast wird dabei sein: Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, seit Oktober 2009 erste Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Den Kontakt zu ihr hergestellt hat Pastorin Bärbel Wilde, neue Vorsitzende der Evangelischen Allianz in Lüdenscheid. Im WR-Interview verrät sie, wie es zu dem Gastspiel der Bischöfin in der Bergstadt kam – und warum ihr Besuch der evangelischen Kirche Mitglieder zurückbringen könnte.
Ist es nicht schwierig, solch eine prominente Referentin für die Gemeindetage zu gewinnen?
Ja, aber wir haben sie schon langfristig angefragt – vor etwa zwei Jahren. Seitdem steht dieser Termin schon fest. Und vor kurzem erst hat mir die Bischöfin noch mitgeteilt, dass ihre Zusage auch weiterhin besteht.
Wie kam es dazu, dass der Abend mit Bischöfin Käßmann nun am 17. März (ab 20 Uhr in der Christuskirche) stattfinden kann?
Frau Käßmann und ich saßen bis zum vergangenen Jahr gemeinsam in der EKD-Synode. 2007 waren wir gemeinsam auf einer Veranstaltung in Osnabrück – ich als Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Biblische Frauenarbeit (ABF), einem Zweig der Evangelischen Allianz, sie als Rednerin. Und in einem Gespräch habe ich die Bischöfin dann eingeladen, Lüdenscheid zu besuchen.
Die Ratsvorsitzende wird zum Thema „Glauben leben – Werte vermitteln” sprechen: Was dürfen die Zuhörer erwarten?
Sie wird einen Blick auf die zehn Gebote als Leitlinien christlichen Handelns werfen und dabei auch die Maßstäbe in ihrem eigenen Leben zur Sprache bringen. Eingehen wird Frau Käßmann sicherlich auch auf Probleme, die bei uns ähnlich gelagert sind wie in „ihrer” Hannoverschen Landeskirche. Beispielsweise auf finanzielle Einbußen bei der Kirchensteuer in den nächsten Jahren, wenn wegen des Bevölkerungsrückgangs auch die Zahl unserer Mitglieder sinken wird.
Außerdem wird die Bischöfin ihren Bestseller „In der Mitte des Lebens” vorstellen – und dabei auch über ihre Krebs-Erkrankung und ihre Scheidung reden. Mich persönlich überzeugt übrigens die Art, wie Käßmann diese Schritte gegangen ist.
„Ich erwarte neue Impulse”
Was erwarten Sie sich für den Kirchenkreis, für die Christuskirchen-Gemeinde von der Begegnung mit der EKD-Ratsvorsitzenden?
Ich erwarte eigentlich, dass uns die EKD-Ratsvorsitzende neue Impulse gibt. Jedenfalls ist sie eine Frau, die mutig ist – und Mut machen kann. Sie möchte wieder Menschen für den Glauben gewinnen.
Käßmanns Popularität wird dafür sorgen, dass Leute, die lange nicht mehr ihren Fuß über eine Kirchenschwelle gesetzt haben, kommen – und zum Nachdenken kommen. Außerdem weiß ich von vielen katholischen Christen, die großes Interesse an der Veranstaltung mit Bischöfin Käßmann signalisiert haben.
Stimmt es, dass Käßmann die Auseinandersetzung mit der Bibel wieder stärker in den Vordergrund rücken möchte – in den Gemeinden, im Konfirmanden-Unterricht?
Ich finde es gut, wenn die Bischöfin christliche Werte wieder mehr zur Sprache bringt und dabei neue Akzente setzt. Dabei den Bezug zur Bibel zu stärken, finde ich schon sehr gut.
Geht es nicht auch darum, das christliche Profil vor Ort zu schärfen?
Durchaus. Eine Herausforderung ist dabei der säkularisierte Teil der Bevölkerung. So gibt es eine große Diskrepanz zwischen der Zahl unserer Mitglieder und der Zahl der Kirchgänger unter ihnen.
Inwiefern wird es bei dem Abend mit Käßmann auch um das Thema „Ökumene” gehen?
Die Gemeinschaft an solchem Abend ist Beispiel für gelebte Ökumene. Deshalb singt ab 19.45 Uhr auch der kath. Chor „Heaven`s Gate”, und Dechant Broxtermann wird Grüße und Wünsche der kath. Kirche übermitteln.
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