Charmante Duellanten
12.02.2012 | 17:12 Uhr 2012-02-12T17:12:00+0100
Lüdenscheid.„Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ – Ein seltsamer Name für ein Musikkabarett/Comedy-Duo, das angetreten ist, die Bühne mit frechen Dialogen und stimmungsvollen, heiter-melancholischen Liedern zu erobern.
Wiebke Eymess und Friedolin Müller – ein Pärchen aus Hannover – verkörpern dieses sich fortwährend kabbelnde Gespann, das sich liebt und neckt, umschwärmt und beleidigt, anhimmelt und angiftet. Stets überraschend, stets unerwartet teilen beide aus, stecken ein, sind bald Sieger, bald Verlierer.
Klar, dass ein solches Paar „Mitternachtspaghetti“ kocht – im Lied morgens um acht, real zu später Stunde. Zwischen Gesellschaftskritik und Schabernack jonglierten die beiden Hannoveraner am Freitagabend im „Bistro K“ des Kulturhauses auf herrlich erfrischende, wunderbar skurrile Art. Vor besetzten Rängen ließen die beiden charmanten Duellanten, die sich in aberwitzige Rollenspiele, Diskussionen und Dichterwettkämpfe verstrickten, an Fensterbank-Gesprächen teilhaben.
Mitternachsspaghetti serviert
Mal triumphierte sie, mal triumphierte er. „Was für den Jäger das Ende der Schonzeit ist, das bist du für mich“, schmachtete sie. Er revanchierte sich, indem er ihr all die Frauen, auf die er ihretwegen verzichtet hatte, sehnsuchtsvoll unter die Nase hielt.
Veranstalter waren das Kulturhaus und das Kultursekretariat Gütersloh. Gesponsert wurde die Begegnung mit dem Pärchen von der Fensterbank vom Reisebüro Kattwinkel. Im Mondenschein, durch banales Anknipsen einer Leuchte erzeugt, kochte das real-fiktive Paar seine Mitternachtspaghetti, baute Märchenschlösser und riss sie wieder ein, flog hinauf zu Sternen und landete unsanft auf dem Boden der Tatsachen.
Gitarre, Ukulele und Casio Keyboard waren bei sprachverliebten, einschmeichelnd gesungenen Songs stete Begleiter. Wo sie auch anfingen, bei Rollenspielen, Partys oder Uli aus der ersten Reihe („Wozu bringst du deine Frau mit, wenn ‚ne Blondine auf dem Plakat ist?“), „frisch geschlüpften Babys“ oder Thunfischen und Delfinen: Jede Gedankenkette, mit Lust und Laune ad absurdum geführt, endete im Disput. Mal strapazierte Wiebke, die mit Halbwissen glänzte, Friedolins Allgemeinwissen aufs Äußerste. Mal leckte er sich nach Thunfischsteaks die Finger, während sie gegen die Überfischung der Meere wetterte. Erfreute sich Friedolin an Babys, dachte Wiebke an Brustdrüsenentzündung. Lobte sie Weimar, Goethe und Schiller, fielen ihm zu Deutschland Hitler und Buchenwald ein. Selbst die Retourkutsche in Sachen Wissen kam.
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