Bildgewaltige und sprachmächtige Hamlet-Aufführung
19.02.2010 | 10:36 Uhr 2010-02-19T10:36:00+0100
Lüdenscheid. Ein in seiner Tragik unerreichtes Stück - laut Regisseurin Liesel Brandts „seit 400 Jahren das Stück, das am meisten auf den Bühnen gespielt wird“ - brachte die Theater-AG des Zeppelin-Gymnasiums am Donnerstagabend bildgewaltig und sprachmächtig auf die Bühne.
„Da ist ‘was faul im Staate Dänemark!“ Schwer lastet der Tod des Vaters auf Hamlets Seele. Noch weiß er nicht, dass Mord den König unerwartet aus dem Leben riss. Für alle anderen unsichtbar, entdeckt ihm erst der Geist des Ermordeten das furchtbare Geheimnis.
„Wenn du je deinen Vater liebtest, räch’ seinen schnöden, unerhörten Tod“, fordert die Stimme des Unerlösten, der den eigenen Bruder - Hamlets Onkel und neuen König - des Mordes und Thronraubs bezichtigt. Um seinen Racheschwur zu erfüllen, täuscht der Dänenprinz Irrsinn vor.
Ein in seiner Tragik unerreichtes Stück - laut Regisseurin Liesel Brandts „seit 400 Jahren das Stück, das am meisten auf den Bühnen gespielt wird“ - brachte die Theater-AG des Zeppelin-Gymnasiums am Donnerstagabend bildgewaltig und sprachmächtig auf die Bühne.
Star des Abends: Christoph Henrichs
Christoph Henrichs, der eine großartige schauspielerische Leistung ablieferte, erfasste Shakespeares Dänenprinzen im ganzen Ausmaß seiner Seelenqual. Auf Englisch und Deutsch ging der berühmte Monolog („Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“) unter die Haut. Eine mutige, durch und durch professionelle Inszenierung, die die Tragödie - gekürzt - ihrer Zeit enthob und ihr auch amüsante Züge zugestand, erlebten die Besucher bei der Premiere im voll besetzten Kulturhaus.
Standing Ovations
Mit Standing Ovations bedankte sich das Publikum bei Liesel Brandts, die von ihren Akteuren zu Recht einen Regie-Oscar für 20 Jahre erstklassiger Theaterarbeit erhielt, und dem jungen, geschlossen auftrumpfenden Ensemble. Mit Live-Musik, die Fanfaren und Didgeridoo-Klänge einbezog, erzählte die AG die tragische Geschichte des rasenden Dänenprinzen. Sprachlich kam das Stück - bearbeitet von Matthias Hahn - in modernisierter Form daher.
Überraschende Spielideen
Von Fantasie zeugten viele überraschende Spielideen, die der bekannten Handlung frappierende Impulse verliehen. Von Hamlet in die Enge gedrängt sah sich „die Schlange“ Claudius (Christopher Hirth), der Mörder und neue König von Dänemark. Als Gertrud, Hamlets Mutter, flüchtete sich Magdalena Michen - kapitulierend vor einem Übermaß an Leid und Tod - in den Alkohol. Mit ebenso viel Herzblut füllten Christoph Polte als Polonius, erstes Opfer von Hamlets Wüten, und Laura Segger als seine Tochter Ophelia ihre Rollen aus.
Erste Sahne war die Szene mit dem Totengräber, dem Shakespeare’schen Narren, dem Christian Westphal sprühenden Witz und Größe verlieh. Klasse waren ebenso die Fechtszene zwischen Hamlet und Laertes (Felix Eckmann) wie das Schauspiel im Schauspiel ausformuliert.
Glänzend besetzt
Bis in die Nebenrollen hinein war das Stück glänzend besetzt. Figuren wie die englischen Gesandten (Hans Hoffmeister/ Stephan Westphal) - liebevoll zum Leben erweckt - trugen zum großartigen Gesamteindruck bei. Horatio (Cornelius Cardinal von Widdern) blieb der Einzige, der unerschütterlich an Hamlets Seite stand. Liesel Brandts, die die Jugendlichen seit 20 Jahren an die großen Klassiker heran führt, stand im Zentrum der Ovationen.
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