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Lüdenscheid

Bestandene Fahrprüfung mit Flasche Schnaps begossen

30.03.2008 | 18:55 Uhr

Lüdenscheid. (AL) Auf 100 Lebensjahre kann Olga Müller heute zurückblicken.

Die Lüdenscheiderin Olga Müller ist heute 100 Jahre alt. (WR-Bild: Langenfeld)

Am 31. März 1908 in der Honseler Straße 39 in Lüdenscheid geboren, ist sie nur einmal im Leben siebzig Meter bergauf in ihr Haus, Annabergstraße 26, umgezogen, wo sie noch heute lebt.

Olga Müller wuchs mit drei Geschwistern in einer sehr weltoffenen Familie auf, besuchte das Lüdenscheider Lyzeum und wurde nach einer Ausbildung in Hagen staatlich geprüfte Klavierlehrerin. Viele Lüdenscheider haben bei ihr Klavierunterricht gehabt und ihre Virtuosität am Flügel bewundert. Zuhause wurde fast nur ihre Lieblingssprache Französisch und Englisch gesprochen, da ihre Mutter Engländerin war. Sie hatte nie geheiratet, lebte mit zwei Brüdern zusammen, die ebenso wie ihre Schwester bereits vor etwa zwölf Jahren starben.

Außergewöhnlich war, dass sie schon 1929 ihren Führerschein machte, denn ihr Vater besaß als Fabrikant eines der ersten Autos in Lüdenscheid. Als sie nach ihrer Fahrprüfung ihren Führerschein mit ihrem Vater bei der Polizeistation abholte, wurde dort an Ort und Stelle erst einmal eine Flasche Schnaps gemeinsam geleert. So locker seien damals die Sitten der Ordnungshüter gewesen.

Älsteste Mitsubishi-Fahrerin Deutschlands

Bis zum Alter von 96 Jahren fuhr Olga Müller unfallfrei "im flotten Stil" ihren Mitsubishi. In deren Werkszeitung würdigte man Olga Müller mit großem Bild als: "Älteste Mitsubishi-Fahrerin Deutschlands." Olga Müllers Leben war von Kindheit an als Mitglied der ev. Freikirche in der Eduardstraße christlich geprägt. Sie spielte dort hin und wieder das Harmonium und besuchte sogar bis vor einem Jahr noch dort die Gottesdienste. In der Gemeinde lernte sie auch Behrus Khajave, einen Deutschen persischer Herkunft, kennen, dem sie volles Vertrauen schenkt und der sie seit 2003 in ihrem Haus umsorgt. Freundlich und geradezu heiter erzählt sie noch Einzelheiten aus ihrem langen Leben. Dennoch: sie fühle sich manchmal einsam, da alle ihre Altersgenossen verstorben seien. Ihren hundertsten Geburtstag wird sie im Kreis ihrer Verwandten sowie mit Brüdern und Schwestern aus ihrer Gemeinde verleben. Die WR schließt sich mit besten Segenswünschen den Gratulanten an.

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