„Arbeitslose finanzieren Jobs bei Wohlfahrtsverbänden"
08.08.2009 | 14:28 Uhr 2009-08-08T14:28:00+0200
Die Zeiten, in denen Kommunen und Wohlfahrtsverbände über ein Heer von Ein-Euro-Jobbern verfügen konnten, neigen sich dem Ende.
Ob DGB, Arbeitsagentur oder Bundesrechnungshof: Berge von Studien belegen eindeutig: Ein-Euro-Jobs vernichten reguläre Arbeitsplätze und tragen nicht dazu bei, Menschen wieder in normale Beschäftigung zu bringen.
Die Arge in Hagen, die in Hochzeiten tausende von Euro-Jobbern in Fabriken arbeiten ließ, räumt heute selbstkritisch ein, dass dadurch „praktisch niemand" wieder zu einem richtigen Job kam.
Anders dagegen die Verantwortlichen im Märkischen Kreis: Unbeeindruckt von Studien und Untersuchungen hält Arge-Chef Volker Riecke weiter seine schützende Hand über die laufenden Projekte der Wohlfahrtsverbände. Erst vor wenigen Tagen bezeichnete er die aktuell im Kreis eingesetzte Zahl von 1511 Euro-Jobbern als „Mindestmaß".
Es um viel mehr als die 30 Euro, die für Jobber wie Christina Söllner nach Abzug der Fahrtkosten übrig bleiben. Für den Arbeitgeber der jungen Schalksmühlerin, die Werkhof gGmbH, die in Halver, Iserlohn und Hagen Sozialkaufhäuser betreibt, ist der massive Einsatz von Billigstlöhnern eine Existenzfrage. Ohne die von der Arge zugewiesenen Kräfte wären die meisten der etwa 50 Angestellten in Verwaltung und Werkstätten der zur Diakonie-Gesellschaft auf einen Schlag arbeitslos – und hier geht es nicht um Ein-Euro-Jobs.
Das Beispiel der 1998 aus dem Werkhof-Verein hervorgegangenen gemeinnützigen Gesellschaft zeigt, wie sich in Folge der Hartz-IV-Gesetzgebung die Strukturen auf dem zweiten Arbeitsmarkt verändert haben: Angetreten mit dem Ziel, Jugendliche in Arbeit zu bringen, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance haben, bildete der Werkhof zunächst in den verschiedensten Bereichen Jugendliche aus. Von der „großen Sympathie", die auch der Vorsitzende der DGB Region Ruhr-Mark anfangs für das ambitionierte Projekt verspürte, ist nichts geblieben. „Die Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sind fast gänzlich zum Erliegen gekommen", klagt Michael Hermund und wirft dem Werkhof vor, das eigentliche Ziel aus den Augen verloren zu haben.
»Die Alternative wäre, unsere Einrichtung zu schließen«
Heute beschäftigt der Werkhof in erster Linie Ein-Euro-Jobber – aktuell etwa 371, so Geschäftsführer Pit Krause. Warum der Werkhof nicht mehr besser bezahlte Arbeitsplätze schafft, steht für den DGB-Chef außer Frage: „Mit Ein-Euro-Jobbern lässt sich mehr Geld verdienen." An jedem verdiene der Träger „etwa 200 Euro im Monat", rechnet Hermund vor und kommt zu dem bitteren Fazit: „Die Arbeitslosen finanzieren die Jobs bei den Wohlfahrtsverbänden. Das ist perfide."
In welch widersprüchliche Lage sich die Verbände in den vergangenen Jahren manövriert haben, offenbaren die Aussagen von Pit Krause: Obwohl der Werkhof-Chef unterstreicht, „kein Fan von Hartz-IV" zu sein, beschäftigt er allein im Märkischen Kreis 155 Ein-Euro-Jobber. Auf die Frage nach der Motivation dafür antwortet Krause nach kurzem Zögern: „Die Alternative wäre, unsere Einrichtung zu schließen." So verständlich die Sorge um seine festangestellten Mitarbeiter ist, gemeinnützig ist sie nicht.
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nicht selten finden sich BehördenmitarbeiterInnen mit Talent zu mangeln in dieser €uro-Job-Prasiten Industrie.
Gelegendlich berichtet die Presse über die Auswirkungen der Veruntreuungen.
Vor Jahren berichtete Monitor mal und befragte Betroffene.
Wo sind die (Un)glücklichen von damals? Gab es weitere Todesfälle?