Antje – Kurzweilig aber ohne Biss
10.02.2012 | 15:41 Uhr 2012-02-10T15:41:00+0100
Lüdenscheid. Als einzige Frau im Rennen um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“ stieg die blondere Hälfte des vielfach preisgekrönten Comedy-Duos „First Ladies“ am Donnerstag – diesmal solo – in den Kleinkunstring.
Mütter, die was auf sich halten, kaufen preiswert und ökologisch, gesund und lecker ein. Gibt’s irgendwo ein Schnäppchen zu ergattern, laufen sie zur Höchstform auf, stürzen sich ins Getümmel und fahren die Ellenbogen aus. Sitzt ihnen – weil die Raten fürs Reihenhäuschen drücken – obendrein ein tollwütiger Sparfuchs im Nacken, sind sie noch wilder auf Rabatte und Sonderangebote erpicht.
Eine solche Vorzeigemutter, die – aus Kostengründen – sogar die Klobrille bei Fielmann kaufte, lernten Besucher der 33. Lüdenscheider Kleinkunsttage am Donnerstagabend in der Garderobenhalle des Kulturhauses in Maria Vollmer kennen.
Als einzige Frau im Rennen um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“ stieg die blondere Hälfte des vielfach preisgekrönten Comedy-Duos „First Ladies“ – diesmal solo – in den Kleinkunstring.
Vor restlos ausverkauftem Haus stichelte die Kölnerin, die ihren Zuschauern eine Mischung aus Stand-up-Comedy, lustigen Liedern und Tanzeinlagen mitbrachte, selbstironisch Richtung Hausfrauen- und Mutterdasein im Reihenhaus. Über „Sex & Drugs im Reihenhaus“ klärte ihre Marianne, beim Casting just von Frau Antje aus Holland entdeckt, die Freunde der kleinen Kunst auf.
Frau Antjes imaginären Käse bekam Manfred, der auf einem der vorderen Mitmachplätze saß, prompt zum Aufpassen in die Hand gedrückt. Kurzweilige, leichte Unterhaltung warf Maria Vollmer beim Wettstreit um den Kleinkunstpreis der Sparkasse in die Waagschale. In die Tiefe, ans Eingemachte, gingen ihre Spitzen, die oberflächlich lustig waren, nicht. Wer einfach nur einen vergnüglichen Abend erleben wollte, war bei Marianne aus Köln-Nippes und ihrem abenteuerlichen Leben im Reihenhaus gut aufgehoben.
Ehelicher Kampf um Grashalm Friedolin
Wer’s gern kritischer gehabt hätte, dem fehlte der Biss.
Seicht, oberflächlich und amüsant plätscherten Maria Vollmers temperamentvolle Ergüsse über den ach so sportlichen Gatten Rainer – 40 (Jahre) seit fünf Jahren –, Kinder, Nachbarn und Freunde dahin. Mit nachsichtigem Lächeln, selbstironisch, nie böse betrachtete sie ihr Leben im Reihenhaus: die schlaflosen Nächte beim Hauskauf, das Anlegen und Pflegen des Gartens, die Badezimmerallüren der Nachbarn, abends – verstohlen – durch die Milchglasscheiben besehen und vieles mehr.
Glanznummern ihres Programms waren Lieder wie „Hausfrau, Hausfrau, wirf die Gläser an die Wand, neue gibt’s im Küchenschrank“ nach Dschingis-Khan-Manier oder der eheliche Kampf um den selbst ausgesäten Grashalm Friedolin, dank Rainers Tagebuch durch die männliche Brille besehen. Festketten half nichts, der Rollrasen kam her. Farbe, Tempo und Abwechslung brachten die knackigen Lieder und Tänze – darunter ein Nippeser Fruchtbarkeitstanz mit Gießkanne, Kehrschaufel, Holzschuhen und Schlagstöcken – ins Programm. Lustige Ideen hatte sie, diese Reihenhausfrau, die Models - Heidi Klum zum Ärgernis - in vergammelten Jogginghosen auflaufen ließ. Aber wie gesagt: Es war alles sehr brav.
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