Antiquitäten für kleines Geld restauriert
08.08.2009 | 14:31 Uhr 2009-08-08T14:31:00+0200Suchen Sie vielleicht noch eine Vitrinenbank aus der Gründerzeit? „Ein ganz besonders schönes Dekorationsstück" wird derzeit auf der Internetseite der Dortmunder Firma ecomoebel zum Kauf angeboten – und das besonders günstig: Nur 1450 Euro soll das vollständig restaurierte Antikmöbel kosten.
Dass er ein solches Stück zu diesem Preis nicht restaurieren, geschweige denn verkaufen könnte, räumt Stefan Claus unumwunden ein. Und genau hier sieht der Lüdenscheider Tischlermeister ein Problem, denn ecomoebel vertreibt im großen Stil Antikmöbel, die subventioniert vom Staat von gemeinnützigen Firmen in Halver, Hagen, Dortmund und anderen Städten aufgearbeitet werden.
»Zu oft eine blutige Nase geholt«
Allein 15 Internetseiten nehmen die Angebote des Iserlohner Sozialkaufhauses ein, das vom Werkhof betrieben wird. Ein Besuch bei „Möbel und Mehr" bestätigt den Eindruck: Etwa die Hälfte der Verkaufsfläche belegen hochpreisige Antiquitäten. In aufwendig gestaltetem Ambiente werden der solventen Kundschaft Empire-Kleiderschränke, Kredenzen oder Louis-Philippe-Vertikos präsentiert.
Eher trostlos wirkt der Bereich, der dem Sozialkaufhaus einst seinen Namen gab: Platzsparend zusammengeschoben warten 70er- und 80er-Jahre-Möbel auf einen armen Schlucker, der sich ihrer erbarmt. Findet sich keiner, gehen sie in den Osten oder direkt in die Müllverbrennung nebenan.
Den Vorwurf, dass mit der Aufarbeitung von Antiquitäten reguläre Arbeitsplätze im Handwerk gefährdet werden, weist Pit Krause, Geschäftsführer der gemeinnützigen Betreiberfirma, zurück. Obwohl nach eigener Darstellung 78 der 95 im Iserlohner Sozialkaufhaus eingesetzten Mitarbeiter Ein-Euro-Jobber sind, betont der Hagener, dass diese nichts mit der Aufarbeitung der Antiqitäten zu tun haben. Das werde ausschließlich von anderweitig subventionierten Langzeitarbeitslosen erledigt – die könne jeder Handwerksbetrieb in Anspruch nehmen.
Worüber Tischlermeister Stefan Claus nicht verfügt, sind hunderte von Ein-Euro-Jobbern, die im gesamten Märkischen Kreis Haushaltsauflösungen durchführen und dabei das eine oder andere wertvolle Schmuckstück entdecken. Und natürlich würde sein Betrieb trotz des beschäftigten Azubis nicht als gemeinnützig anerkannt werden, nur weil er Antiquitäten der Wiederverwendung zuführt.
Trotz der offensichtlichen Ungleichbehandlung verhalten sich die Interessenvertreter des Handwerks zurückhaltend. Das sei ein „schwieriges Feld" orakelt der Justiziar der Handwerkskammer Südwestfalen, Stefan Schäperklaus, um schließlich einzuräumen, dass es ein „wirtschaftliches Ungleichgewicht" gibt.
»Gegen solche Sachen kann man nicht anstinken«
Auch die Sprecherin der SIHK Hagen tut sich mit offener Kritik am Werkhof schwer. Zu oft habe man sich „eine blutige Nase geholt", sagt Iris Fellerhoff und verweist auf ein „undurchschaubares Gemisch von Angestellten und Ein-Euro-Jobbern" beim Werkhof.
Wie gut, dass zumindest die Arge MK glaubt, den Überblick zu haben. Im WR-Gespräch versichert Sachgebietsleiter Daniel Schmoll: „Die Ein-Euro-Jobber in den Sozialkaufhäusern werden ausschließlich für die Holzaufbearbeitung und Reinigung der Sozialmöbel qualifiziert." Da hat Schmoll offenbar nicht mit Pit Krause gesprochen, denn der räumt ganz offen ein, dass sich das Aufarbeiten der Sozialmöbel nicht lohnt.
Lassen wir das Schlusswort dem Lüdenscheider Tischlermeister: „Ich bin bereit, mich unter gleichen Bedingungen dem Wettbewerb zu stellen, aber gegen Schwarzarbeit und solche Sachen kann man nicht anstinken."
08:40
Mir ist die Kommentiererei ein bisschen zu einseitig. Erst einmal gibt es doch nichts dagegen ein zu wenden, wenn Antiquitäten aus dem Müll gezogen werden und reiche Leute dafür teures Geld bezahlen. Für mich ist die entscheidende Frage, wer daran verdient. Darüber steht hier nichts. Ginge das Geld an eine gemeinnützige Stelle, die sich für Arbeitslose einsetzt, hätte ich nichts einzuwenden.
13:33
@Heike Weiß
Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass ARGEn keine Behörden sind.
Sie sind somit illegale rechtswidrige Institutionen!
Und auch, weil Sie die keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze schaffen können, von denen die arbeitenden Menschen leben könnten, haben diese Verwalter des Elends keine Existenzberechtigung
Als Kunde der ARGE sollte man immer auch die internen Geschäftsanweisungen der Bundesagentur für Arbeit lesen. Dort werden zwischen den Zeilen Anweisungen verklausuliert an die ARGEn weitergegeben.
Diese Anweisungen findet man im Internet auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit unter dem Menüpunkt Veröffentlichungen und dann links Weisungen. Eine SEHR interessante und hilfreiche Lektüre.
Als Kunde sollte man den Dienstleister fordern und ihn in der Auffindung von anständigen Arbeitsplätzen motivieren. So viel zum Motivationsproblem am Arbeitsmarkt.
Sachbearbeiter sind immer dankbar, wenn Sie zufriedene Kunden haben, die für ihre erbrachte erfolgreiche Leistung mit Lob und Anerkennung nicht geizen.
Es ist wirklich eine gigantische Aufgabe. 5 Millionen Menschen in 500.000 offene Stellen zu integrieren.
Wer das nicht versteht solle diese Aufgabe selbst mal versuchen.
12:37
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20:53
Soviel zum Thema Behörden und die Durchsetzung von Gesetzen..... und die Mitarbeiter der Behörden werden von uns, den Bürgern, bezahlt ....
Eine solche Situation ist empörend. Dagegen muss angegangen werden!!!
WANN GEHT DEUTSCHLAND ENDLICH GEGEN SEINE POLITIKER UND DEREN ERFÜLLUNGSGEHILFEN AUF DIE STRAßE!!!
11:54
Da wird praktiziert, was erlaubt ist.
Wann endlich sorgen die BürgerInnen dafür, dass gesetzlich ein Mindestlohn FÜR ALLE Branchen eingeführt wird, von dem ein Mensch auch leben kann?
Die Situation jetzt ist völlig *******: Wer z.B. Hartz IV bekommt (359 Euro pm, wenn der volle Satz überhaupt bezahlt wird, muss schon von einem 400-Euro-Job, den er, wenn er Glück hat, den zu bekommen, um etwas hinzuzuverdienen, davon 250 Euro wieder abgeben und darf nur 150 Euro davon behalten.
So werden die Ärmsten noch geschröpft und ausgebeutet. Wie lange lasst Ihr Euch das noch gefallen?
Kritik alleine genügt nicht. Ihr müsst Euch schon zusammentun und denen da oben zeigen, wohin der Weg gehen muss!
09:45
So will Steinmeier also seine 4 Mio. Arbeitsplätze schaffen. Es ist die legalisierte Variante der Schwarzarbeit, sonst nichts. Den Betreibern gehört der Laden dicht gemacht und ihr Vermögen eingezogen.
Wenn ich lesse, das Möbel auf arme Schlucker warten, in den Osten oder direkt in die Müllverbrennung, dann sind die armen Schlucker also gleichzusetzen mit der Müllverwertung. Armes Deutschland
09:31
Auch wenn er nicht dagegen anstinken kann, so ist doch klar, wer hier gemeinnützig agiert. Der Handwerksbetrieb, der ausbildet hat mehr mit Gemeinnützigkeit zu tun, als so eine vom Staat (Kommune) geförderte Sklaverei.
Aber: Wählen gehen.... Was bringts!
Ich glaube, es geht in Deutschland offenbar doch noch vielen Menschen viel zu gut. Was muss noch geschehen? Sind 1€ Jobs nicht das klareste Zeichen der Sklaverei/Zwangsarbeit?
09:11
„….zu oft habe man sich eine blutige Nase geholt“! Wenn die SIHK Hagen nichts dagegen unternimmt, dann begünstigt sie die Schwarzarbeit. Hat der Werkhof Hintermänner in der SIHK? Mit Sicherheit hat der Werkhof jedoch den GF Volker Riecke der ARGE MK eingespannt, damit Herr Pit Krause rechtswidrig mit 1Euro-Jobbern versorgt wird! Unternehmen, die sittenwidrige Löhne zahlen, haben keine Existenzberechtigung!
Eva Bernardi / Odelzhausen
08:54
aber gegen Schwarzarbeit und solche Sachen kann man nicht anstinken.
Ja solche MÄNNER braucht das Land. Da kann man doch nichts machen. Mit solchen Verlierern und Kleingeistern hat man in Deutschland leichtes Spiel.
Angst gesteuerte Untertanen ergeben sich ihrem Schicksal.
Für die Freiheit braucht man Mut, den findet man in Deutschland selten.
Verfassungsschutz ist Bürgerpflicht.