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WR-Interview mit Carolin...

Alle Gefühle lassen sich mit Musik sagen

03.04.2008 | 21:01 Uhr
Alle Gefühle lassen sich mit Musik sagen

Märkischer Kreis. Seit September 2003 zeichnet Carolin Nordmeyer als musikalische Leiterin für das Märkische Jugendsinfonieorchester verantwortlich. Die 32-Jährige stellte sich den Fragen von WR-Redakteur Ronald Pfaff.

WR: Sehr geehrte Frau Nordmeyer in der besten Urlaubszeit nehmen Sie die Arbeit mit dem Märkischen Jugendsinfonieorchester auf. Sie rechnen trotzdem mit hochmotivierten Jugendlichen? Nordmeyer: Natürlich! Was kann es besseres geben als rund um die Uhr mit netten Leuten zusammen tolle Musik zu machen? Die Jugendlichen wollen ihr Bestes für die Musik geben und dabei Spaß haben. Das gibt's bei uns.

Woher stammt Ihre Liebe zur Musik? Meine Eltern sind ebenfalls Musiker, da ist mir das gewissermaßen in die Wiege gelegt worden, ich bin quasi unter dem Flügel aufgewachsen. Besonders wichtig für meinen Beruf war, dass meine Eltern so viele Partituren zu Hause haben, dass ich einfach nur ins Regal greifen musste, um beispielsweise Strawinskys „Le Sacre du Printemps” (mein absolutes Leib- und Magenstück mit 16/17) beim Anhören der Aufnahme auch mitzulesen. Vor ein paar Jahren habe ich das Stück dann dirigiert, ein gutes Gefühl…..

Welche Instrumente spielen Sie selbst? Ich bin Hornistin, habe da mein Orchesterdiplom, außerdem spiele ich als Kapellmeisterin am Theater natürlich sehr, sehr viel Klavier (das ist auch mein erstes Instrument gewesen), Geige und Bratsche habe ich als Kind und Jugendliche auch gepielt, leider, leider aber aus Zeitgründen „an den Nagel gehängt”.

Welches ist Ihre liebste Klassik-CD? Oder hören Sie privat auch Rock, Pop oder gar moderne Szenemusik? Privat höre ich ein ziemlich bunte Mischung…Lieblings CD´s gibt's ne Menge…„le Sacre du Printemps" von Strawinsky, Brahms Streichquintett, Bach Englische Suiten, Ravel „L´heure espagnol”, Mozart Gran Partita…ich kann gar nicht aufhören! Jamie Cullum kann ich gut haben. Und (meistens…) Christina Aguilera (macht extrem gute Laune). Zum Autofahren, was das Radio so hergibt…

Jugend und klassische Musik - passt das zusammen? Ohja! Alles, was es so an Gefühlen gibt, lässt sich mit Musik sagen. Extreme Temperamente und Leidenschaften finden ihren Ausdruck. Und selbst „Unsagbares” kann man hörbar machen. Es gibt immer noch mindestens eine Ebene mehr. Kopf, Herz und Bauch sind gleichermaßen gefordert. Außerdem ist das Gemeinschaftsgefühl in einem Jugendorchester unglaublich hoch und ansteckend.

Gibt es Vorlieben der Jugend für bestimmte Instrumente? Oder dauerhafte Vakanzen auch im MJO? Vorlieben gibt's bestimmt. Klassischen „Seltenheitswert” haben bei uns häufig Bratschen, Kontrabässe und Oboen. Aber das variiert ziemlich. Willkommen ist erstmal jede/r, der/die ein Instrument des Sinfonieorchesters spielt. Dann gibt's ein Probespiel, bei dem eine Jury aus den Dozenten darüber entscheidet, ob es fürs Orchester reicht. Wobei wir da auch mit „Zukunftsblick” hören, also das Potential zu erkennen versuchen, selbst wenn beim Probespiel die Nerven geflattert haben und nicht alles hundertprozentig klappte.

Dirigieren oder selbst ein Instrument spielen - wo liegt für Sie der Unterschied? Ganz einfach: als Dirigentin muss ich alles im Blick haben….und dem Orchester immer mindestens einen Schritt voraus sein. Beim Selberspielen habe ich natürlich alles unmittelbarer in der Hand. Alles hat seinen Reiz!

Warum gibt es so wenige Dirigentinnen? Das ist ein weites Feld….

Welche Kriterien galten bei der Auswahl des Programms? Die Beethoven Sinfonie ist einfach eine der tollsten Werke im klassisch-romantischen Repertoire. Mit dem Arutjunjan Trompetenkonzert stellen wir nicht nur einen tollen jungen Solisten vor, sondern auch eines der wichtigsten Trompetenkonzerte. Und die Gayaneh Suite passt zum einen zum Trompetenkonzert (Chatschaturian und Arutjunjan sind quasi Zeitgenossen und kommen aus dem selben Kulturraum), außerdem passt sie inhaltlich zur bäuerlichen „Pastorale” von Beethoven. Daher heißt unser Programm auch „Landleben”. Wichtig ist immer, dass die ganze Besetzung des Orchesters beschäftigt ist, also nicht nur Stücke beispielsweise ganz ohne Schlagzeug. Das ist ein pragmatischer Grund, der die Auswahl dann schon ein bisschen einschränkt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ronald Pfaff

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