„Abgeordneter ist kein Beruf, sondern eine Aufgabe auf Zeit"
02.03.2010 | 05:00 Uhr 2010-03-02T05:00:00+0100Märkischer Kreis. Die WR besuchte die Bundestagsabgeordneten des Märkischen Kreises in Berlin. Mit im Koffer hatten unsere Reporter Fragen eines Jugendlichen. Merlin Sandow wollte so einiges von Petra Crone, Matthias Heider und Johannes Vogel wissen.
„Ich finde das Verhältnis zwischen der Abhängigkeit vom Wahlkreis und der Verpflichtung gegenüber dem deutschen Volk interessant, weil ich die starke Dezentralisierung unseres Staates problematisch finde”, sagt WR-Praktikant Merlin Sandow. Große Probleme würden zu selten gelöst, weil zu sehr Einzelinteressen berücksichtigt würden. „Außerdem interesse ich mich dafür, wie Abgeordnete zur ihrer Arbeit stehen ob sie für sie eine Berufung oder nur eine Verdienstmöglichkeit ist.” Das war für Merlin Sandow Anlass, die drei heimischen Bundestagsabgeordneten nach ihrer Haltung zu fragen.
Sehen sie einen Unterschied darin, ob ein Abgeordneter direkt oder über die Liste gewählt wurde?
Matthias Heider (CDU): Ja. Die Bürgerinnen und Bürger haben über den direkt gewählten Abgeordneten unmittelbar abgestimmt. Die Listen-Abgeordneten hängen von der Aufstellung ihrer jeweiligen Partei ab.
Petra Crone (SPD): Ich habe bisher keinen Unterschied bemerkt. Jedem ist klar, dass die SPD meinen Wahlkreis nicht gewinnen kann. Sonst hätte ich nicht diesen Listenplatz gekriegt.
Johannes Vogel (FDP): Das ist kein Widerspruch, Listen-Abgeordnete werden einem Wahlkreis zugeordnet. Bei der FDP gibt es auch keine Direktmandate. Somit stellt sich für die FDP die Frage nicht.
Ist es ihnen wichtiger das deutsche Volk als Ganzes oder ihren Wahlkreis zu vertreten?
Heider: Der Wahlkreis ist die Ausgangsbasis. Da ist man angetreten, da ist man gewählt worden. Es wäre schon erstaunlich, wenn man das aufgeben würde. Entscheidungen fallen im Großen nicht anders aus als im Kleinen.
Crone: Im Grundsatz das Volk als Ganzes. Aber man ist nah dran im Wahlkreis.
Vogel: Man sollte schon den Anspruch haben, eine Lösung fürs Große und Ganze zu finden. Man sollte aber den Bezug zum Wahlkreis haben. Wenn es etwa um die Regelung der Hilfsdienste geht, frage ich schon beim THW vor Ort nach.
Gibt es für Sie wichtigere Berufe als den des Abgeordneten?
Heider: Ich war mit Leib und Seele Anwalt. Das Mandat ist jetzt eine herausfordernde Aufgabe. Die steht im Mittelpunkt. Abgeordneter ist kein Beruf, sondern eine Aufgabe auf Zeit. Jeder sollte in seinen Beruf zurück können.
Crone: Es gibt viele ganz wichtige Berufe. Jeder hat seine Berechtigung.
Vogel: Abgeordneter zu sein ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Rettungssanitäter ist sehr viel konkreter. Es geht aber in beiden Fällen darum, Menschen zu helfen.
Würden sie auch für weniger Geld als Abgeordneter arbeiten?
Heider: Abgeordnete bekommen eine Aufwandsentschädigung. Sie sind gut ausgestattet. Das ist angemessen.
Crone: Ja, das könnte ich mir vorstellen. Wir verdienen ganz gut, aber das hat auch damit zu tun, dass wir Menschen kriegen, die an anderer Stelle mehr verdienen könnten.
Vogel: Es ist angemessen, Politiker gut zu bezahlen. Aber die sehr, sehr gute Bezahlung ist nicht die Fragestellung. rk
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