„Wir können die Geschichte nicht mehr ändern“

V. re.: Janusz Witt, Pfarrer Burckhardt Hölscher und Christian Otterstein, der die musikalische Begleitung im Gewölbekeller  übernommen hatte.
V. re.: Janusz Witt, Pfarrer Burckhardt Hölscher und Christian Otterstein, der die musikalische Begleitung im Gewölbekeller übernommen hatte.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Im Vorfeld des Kultur- und Friedensfestes sprach Janusz Witt im Gewölbekeller sowohl über Krieg und Vertreibung, als auch über die polnisch-deutsche Versöhnung.

Letmathe..  „Was sind sie für ein Mensch?“, wurde Janusz Witt einmal gefragt. „Pole oder Deutscher?“ Er, der im Januar 1934 in Wielun – die erste polnische Stadt die von der deutschen Luftwaffe 1939 bombardiert wurde – geboren worden ist, anwortete darauf: „In erster Linie Europäer, dann ein polnischer Bürger deutscher Abstammung“. Janusz Witt sprach am Mittwoch im Gewölbekeller von Haus Letmathe im Vorfeld des Kultur- und Friedensfestes „70 Jahre Frieden in Letmathe“ zum Thema „Krieg, Flucht, Vertreibung und Versöhnung“.

Anti-Kriegslied stammt von Matthias Claudius

Moderiert wurde der Abend von Pfarrer Burckhardt Hölscher, für die musikalische Begleitung sorgte Christian Otterstein. Letzterer hatte sich zu Beginn das (Antikriegs-)Lied „’s ist Krieg“ ausgesucht. Keiner im Publikum hätte vermutet, dass der Text dazu von Matthias Claudius stammt, denn dieses Lied ist in der derzeitigen politischen Situation aktuell wie nie.

Für Witt ist es ein großes Geschenk, den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken und Gräueltaten – vor allem als Pole evangelischen Glaubens – überstanden zu haben. „Ich erinnere mich genau daran, wie der Krieg am 1. September 1939 in unserem Dorf begann. Ich war damals fünf Jahre alt, als um 4.37 Uhr eine 500 Kilo-Bombe in unseren Garten fiel.

„Wir hatten Glück, die Bombe detonierte nicht.“ Und weiter:: „Es war eine schwierige Kriegszeit im sogenannten „Warthegau“ und keine leichte Zeit für meine Familie sowie alle Lutheraner unmittelbar nach Kriegsende.“

Stetiger Einsatz für polnisch- deutsche Versöhnung

Witt, 1996 Mitbegründer der Polnischen Sektion der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft und Vorsitzender der Gesellschaft sowie Mitbegründer des „Stadtviertels der gegenseitigen Achtung“ in Breslau setzt sich seit Jahrzehnten für die polnisch-deutsche Versöhnung ein. „Die Geschichte können wir nicht ändern, nur dafür sorgen, das alles nicht noch einmal passiert!“