Warnstreik auch bei Risse+Wilke

Bernd Schildknecht, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis, erläuterte vor einem Teil der Belegschaft von Risse+Wilke die Forderungen der Gewerkschaft.
Bernd Schildknecht, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis, erläuterte vor einem Teil der Belegschaft von Risse+Wilke die Forderungen der Gewerkschaft.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Für mehr Lohn, eine moderne Altersteilzeitregelung und die Möglichkeit zu einer Bildungsteilzeit froren am Dienstagmorgen 100 Mitarbeiter von Risse+Wilke in der Februar-Kälte. Die Frühschicht trat in den Warnstreik.

Stenglingsen..  5,5 Prozent mehr Lohn und eine moderne Altersteilzeitregelung, dazu die Einführung einer Bildungsteilzeit – um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, treten in diesen Tagen bundesweit die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in den Warnstreik. Auch die Walzwerker der Risse+Wilke GmbH haben am Dienstagmorgen die Arbeit niedergelegt. Denn: Das Lohnangebot von Arbeitgeberseite sieht derzeit nur ein Plus von 2,2 Prozent vor – und das auch nicht für ein ganzes Jahr, sondern nur für zehn Monate.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis, Bernd Schildknecht, sagte zu den etwa 100 Frühschichtlern vor Tor 3 am Stenglingser Weg, dass die Forderung niemals auch das Ergebnis sei, „aber 2,2 Prozent sind natürlich zu wenig“. Die 5,5-Prozent-Forderung war auch auf einem Transparent zu lesen, das ein Mitarbeiter in der Hand hielt. Seine Kollegen scherzten, dass das Komma verschwinden müsse. Das spiegelte durchaus die entspannte Atmosphäre am Werkstor wider. Der Betriebsrat um Klaus-Peter Neumaier verteilte Brezeln, Schildknecht lobte sogar die Unternehmensspitze. „Dass wir auf dem Gelände streiken dürfen, ist nicht selbstverständlich.“

Richtig verärgert sind die Gewerkschaftler aber wegen der ablehnenden Haltung des Tarifpartners in den Teilzeitfragen. Die Rente mit 67 sei ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Schildknecht: „Es gibt genug Kollegen, die ihre 45 Arbeitsjahre nicht schaffen. Deshalb muss es einen Landeboden für diejenigen geben, die frühzeitig ausscheiden.“

Beim dritten Konfliktpunkt vermied es Schildknecht, in die allzu ferne Zukunft zu blicken: „Dieser Betrieb soll sich auch in fünf oder zehn Jahren noch den technischen Herausforderungen stellen können.“ Mit gut ausgebildeten Arbeitnehmern sei das möglich. Es werde ja sogar von allen Seiten begrüßt, wenn sich Mitarbeiter weiterbilden, sagte Dennis Kemper, Vertrauenskörper bei Risse+Wilke, brachte das Problem auf den Punkt: „Nur zahlen will keiner dafür.“

Nach einer Stunde ging es wieder wie vereinbart an die Arbeit. Spannend wird es am kommenden Freitag. Dann sitzen zur dritten Tarifrunde in Mülheim/Ruhr Gewerkschaft und Arbeitgeberverband wieder am Verhandlungstisch.