„Verband mit 150 Bombern hätte Letmathe ausgelöscht“

Der Vortrag des Historiker stieß auf reges Interesse.
Der Vortrag des Historiker stieß auf reges Interesse.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der Historiker Dr. Ralf Blank sprach im Gewölbekeller über „Die letzten Kriegsmonate 1945 an Ruhr und Lenne"

Letmathe..  Im Vorgriff des Kultur- und Friedensfestes „70 Jahre Frieden in Letmathe“, das am Samstag, 30. Mai, und Sonntag, 31. Mai, im und am Haus Letmathe stattfindet und zu dem der Förderverein Haus Letmathe, der Heimatverein und viele weitere Letmather Vereine einladen, gibt es auch drei vorbereitende Abendveranstaltungen.

Den Auftakt machte am Mittwochabend der Vortrag von Dr. Ralf Blank, Fachdienstleiter Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen. „Die letzten Kriegsmonate 1945 an Ruhr und Lenne“ lautete sein Thema im Gewölbekeller.

Dabei unternahm er auch einige Ausflüge nach Letmathe und Iserlohn, ein Schwerpunkt, untermauert mit eindrucksvollem Bildmaterial, bildete aber das Schicksal der Stadt Hagen. Anders als Iserlohn und Letmathe war Hagen gegen Kriegsende auch das Ziel von großen Bomberverbänden mit viermotorigen Maschinen wie den amerikanischen B-17 (genannt „Fliegende Festungen“) oder den britischen Lancastern. So gab es am 28. Februar einen Angriff mit 150 Maschinen, der viele Todesopfer forderte. Dr. Blank zum Vergleich: „Ein solcher Verband hätte ganz Letmathe auslöschen können. Am 15. März erwischte es Hagen aber noch schlimmer. Ein großer Hochbunker erhielt einen Volltreffer, über 500 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Reich.

Ziel war auch die Akkumulatorenfabrik, das spätere Vartawerk. Was die Amerikaner aber nicht wussten: Dort wurden Generatoren und Batterien für die U-Boote und Batterien für Torpedos und die V-2-Rakete hergestellt. Die Amerikaner, so Dr. Blank, hätten später erklärt, dass Hagen wohl bereits ab 1943 ausradiert worden wäre, wenn sie Kenntnis von der überaus kriegswichtigen Produktion gehabt hätten.

Akkumulatorenfabrik für Letmathe geplant

Aber auch Letmathe hätte das zum Verhängnis werden können: Denn nachdem Versuche, einen zusätzlichen Standort der Hagener Akkumulatorenfabrik in den Ostgebieten zu errichten, gescheitert waren, wurde in Letmathe im Bereich des Schlachthofes (ehemals Papierfabrik Ebbinghaus, heute Hoesch-Lehrwerkstatt) mit Hochdruck an einem neuen Werk gearbeitet. Die Amerikaner wussten aber auch davon nichts, es kam dort zudem nicht mehr zur Produktion, so Blank.

Ungeschoren kamen aber auch Letmathe und Iserlohn nicht davon. So gab es des immer wieder Fehlabwürfe oder Notabwürfe von beschädigten Maschinen. Auch das forderte Todesopfer (wir berichteten). Gegen Kriegsende gab es zudem auch gezielte Angriffe kleinerer Verbände mit zweimotorigen Maschinen oder einzelner Jagdbomber. Bevorzugtes Ziel waren hier die Iserlohner Kasernen wie beispielsweise die Flakkaserne. Die Angriffe hatten mäßigen Erfolg, forderten aber ebenfalls Opfer. Darauf und auch auf die Kapitulation der Stadt Iserlohn ging Dr. Blank aber nur kurz ein, denn demnächst gibt es dazu noch einen gesonderten Vortrag in Iserlohn.

Auch Letmathe tauchte in amerikanischen Protokollen auf. So kam von dort in der Endphase (15./16. April) schweres Feuer Richtung Hohenlimburg. Quelle war ein Eisenbahngeschütz, welches Granaten mit einem Kaliber von über 30 Zentimetern abfeuerte. Das veranlasste die Amerikaner zu einem Sturmangriff.

Dr. Blank berichtete auch über die örtlichen Nazi-Strukturen, etwa über den Gestapo-Standort in Hagen, wohin auch Gefangene aus Letmathe und Iserlohn gebracht wurden oder die Rolle des Gauleiters Albert Hoffmann.

Im Anschluss an den Vortrag gab es noch eine von Peter Trotier moderierte Gesprächsrunde. Trotier steuerte ebenfalls einige Details bei, etwa aus dem Buch von Dechant Heimann.