„Sie können einfach Baron zu mir sagen“

Lösseler Tischgespräche im Hotel Neuhaus. Thomas Reunert im Gespräch mit Ernst Freiher von Münchhausen.
Lösseler Tischgespräche im Hotel Neuhaus. Thomas Reunert im Gespräch mit Ernst Freiher von Münchhausen.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Einen Blick durchs Schlüsselloch von Diplomatie und Journalismus bot das von Thomas Reunert moderierte Tischgespräch bei Neuhaus. Dr. Jan Philipp Burgard und Ernst Freiherr von Münchhausen waren die Gäste.

Lössel..  Wie bewege ich mich gekonnt auf manchmal sicherlich glattem diplomatischen Parkett, ohne zu stolpern oder schlimmstenfalls auf die Nase zu fallen? Unter anderem über dieses Thema unterhielt sich auf Einladung des Kulturbüros der Stadt Iserlohn am Freitag und Samstag bei den „Lösseler Tischgesprächen“ im Romantik-Hotel Neuhaus IKZ-Chefredakteur Thomas Reunert mit Dr. Jan Philipp Burgard sowie Ernst Freiherr von Münchhausen.

Thomas Reunert und seine Gäste warfen sich die Bälle zu

Das Publikum hatte bei kulinarischen Genüssen aus der Neuhausschen Küche ein riesiges Vergnügen, wie sich Reunert und seine Gesprächspartner die Bälle zuwarfen, wenn es um korrekte Anreden bei „Adels“ oder um Botschafter, die sich durchaus auch daneben benehmen können, ging. Langeweile war nicht angesagt, es gab stets etwas zu schmunzeln oder lachen. Musikalisch begleitete Charly Janke mit Saxophon und Klarinette die Abende.

Die Karriere von Dr. Jan Philipp Burgard - von Reunert vorgestellt als „Iserlohner mit Migrationshintergrund“ mutet an wie der amerikanische Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Geboren und aufgewachsen in Iserlohn verdiente er sich erste journalistische Meriten als freier Mitarbeiter in der Sportredaktion der Heimatzeitung. Schon damals wuchs in ihm der Wunsch, Journalist zu werden. Es folgte das Studium von Öffentlichem Recht und Politikwissenschaft an der Universität Bonn. Burgard arbeitete für verschiedene Zeitungen und hatte das Glück, dass er stets vor Ort war, wenn sich für ihn „journalistische Türen“ öffneten. Arbeit für verschiedene Zeitungen, Reporter für Fernsehsender, Redakteur im ARD-Studio in Washington und derzeit persönlicher Assistent von WDR-Intendant Tom Buhrow. Zu den Höhepunkten seiner journalistischen Karriere gehörte zweifelsohne, dass er den Wahlkampf vom jetzigen Präsidenten Barack Obama begleitet hat.

Rechtsanwalt, Autor und Verleger Ernst Freiherr von Münchhausen nahm als zweiter Gesprächspartner neben Reunert auf der Bühne Platz und schon entwickelte sich ein amüsantes Gespräch über die korrekte Anrede, nicht nur unter Adeligen. „Sie können einfach Baron zu mir sagen.“

Humorvoller Blick durch das Schlüsselloch der Diplomatie

Freiherr von Münchhausen warb zunächst dafür seinen berühmten Namensvetter nicht als „Lügenbaron“ zu bezeichnen. Nachdem der seinen Wehrdienst am russischen Hof quittiert hatte und in seinen Heimatort Bodenwerder zurückgekehrt war, hat er nur Geschichten erzählt, von denen er gar nicht behauptete, sie selbst erlebt zu haben.

Von Münchhausen ist Autor des Buches „Der Diplomat isst auch die Schnecken im Salat“. Dabei handelt es sich um eine Sammlung skurriler Geschichten aus der Welt der Diplomatie. Auch wenn die Namen der handelnden Personen darin frei erfunden sind, so sind die Geschichten alle wahr und haben sich irgendwo auf der Welt zwischen Galadinner, Richtfest oder Cocktailparty ereignet. Ob nun der nackte Professor, der mit Tropenkoller bei einem Empfang für Aufsehen sorgt oder ein Hammel-Opfer bei dem ein Baugerüst zusammenkracht und alle Honoratioren in die Baugrube fallen, es war einfach köstlich, dass Freiherr von Münchhausen es möglich machte, einmal durch das Schlüsselloch der Diplomatie zu blinzeln.