Schadensersatz in Milliardenhöhe für Huntsman
17.12.2008 | 16:19 Uhr 2008-12-17T16:19:00+0100Letmathe. Die Firma Hexion und deren „Mutter” Apollo zahlen über eine halbe Milliarde Dollar, um einen Konkurrenten nicht „schlucken” zu müssen. Der US-Chemiekonzern, zu dem auch das Hexion-Werk Letmathe gehört, und Übernahmekandidat Huntsman haben damit einen monatelangen Streit beigelegt.
Ursprünglich wollten die Firma Hexion und ihr Mutterkonzern Apollo den Konkurrenten Huntsman für 10,6 Milliarden Dollar übernehmen. Dadurch wäre ein Riesenkonzern mit weltweiter Marktführerschaft in vielen Bereichen entstanden. Jetzt ist der Deal endgültig geplatzt.
Zuerst waren Apollo und Hexion versessen darauf, Huntsman zu kaufen. Sie überboten sogar deutlich das Angebot eines niederländischen Konzerns. Doch dann, als der Kaufvertrag unter Dach und Fach war, bekamen sie kalte Füße. Plötzlich wuchs die Befürchtung, Hexion würde die Fusion nicht verkraften, wegen finanzieller Probleme im Verbund mit Huntsman. Von drohender Insolvenz war die Rede.
Die Deutsche Bank und „Credit Suisse” waren nicht mehr bereit, die Transaktion für Apollo zu finanzieren. Huntsman aber bestand darauf, übernommen zu werden, und verlangte anderenfalls eine Schadensersatzgebühr. Ein Gericht gab Huntsmann Recht. Daraufhin verklagte Apollo die beiden Banken, allerdings vergeblich. Monatelang stand der Übernahmedeal wegen Rechtsstreitigkeiten auf der Kippe.
Jetzt hat sich Apollo mit Huntsman zu immens hohen Zahlungen verpflichtet, um die Übernahme endgültig zu „beerdigen”. Die Übereinkunft beinhaltet laut Hexion eine 425 Millionen-Zahlung an Huntsman sowie eine weitere 250-Millionen-Dollar-Investition. Überdies stärkt Apollo die eigene Tochter Hexion mit einer 200-Millionen-Dollar-Finanzspritze.
Nach Ansicht von Finanzexperten nützt die Einigung beiden Seiten gleichermaßen. Huntsman bekommt eine wichtige Finanzspritze, um allein zu überleben. Hexion und Apollo ersparen sich einen weiteren gerichtlichen Streit mit unkalkulierbaren finanziellen Risiken.
Hexion beschäftigt in 100 Betrieben weltweit rund 7000 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von rund 5,8 Milliarden Dollar. Letmathe ist neben Duisburg der größte Standort in Deutschland.
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