Reifer, vielfältiger aber immer noch Luxuslärm
14.09.2011 | 18:47 Uhr 2011-09-14T18:47:01+0200
Letmathe.Was genau es bedeutet, wenn eine Band mit einer neuen CD auf Promo-Tour geht, davon macht man sich wahrscheinlich gar kein Bild. Morgen kommt das neue Luxuslärm-Album „Carousel“ auf den Markt, und in den 14 Tagen rund um diesen magischen Termin ist bei den Luxuslärmern im wahrsten Sinne der Teufel los.
Es gibt Tage, an denen geht es morgens um 5 Uhr nach Hamburg, nach drei Terminen weiter nach Berlin, nach weiteren Terminen dort noch schnell Richtung Süden, um dann erst rund 24 Stunden später wieder in Letmathe einzulaufen. Schließlich muss die neue CD bundesweit beworben werden, und dazu sind Live-Auftritte und Interviews in den Radiostationen zwischen München und Hamburg nach wie vor ein wichtiger Schlüssel.
Zwischendurch hat Jan Zimmer, Schlagzeuger und einer der wichtigen Motoren der Letmather Erfolgsband, aber auch noch Zeit, um mit der Heimatzeitung über „Carousel“ und alles, was sich rund um die Platte mitdreht, zu sprechen. Und abgesehen davon, dass er ein wenig geschafft aussieht, merkt man ihm immer noch an, dass er sich mit seiner Freundin Jini und Luxuslärm ganz oben in der deutschen Musikszene bewegt. Die erste Singleauskopplung „Atemlos“, die seit rund zehn Tagen im Internet zum Download bereitsteht, schoss erneut ganz nach oben und stand etwa in den I-Tunes-Charts auf Platz eins.
„Wir sind immer noch eine kleine Band aus Letmathe“, hält der Drummer solchen Erfolgsnachrichten aber ebenso hartnäckig wie glaubhaft entgegen. Schließlich wehren sich die Luxuslärmer immer noch erfolgreich gegen die üblichen Funktionsweisen des Musikgeschäfts und halten sowohl musikalisch als auch organisatorisch die Zügel weiterhin in der Hand. Was den Termindruck und den Arbeitsaufwand gerade in der gegenwärtig heißen Phase deutlich erhöht.
Kein Termin, der nicht selbst abgesprochen wurde und keine noch so kleine Entscheidung, die nicht selbst getroffen wurde. Und da Jan und Jini das ganz Projekt „Carousel“ nach dem Ausscheiden ihrer drei bisherigen Mitstreiter vom ersten Songwriting bis zum letzten Abmischen zusammen mit ihrem Produzenten Götz von Sydow im Alleingang gestemmt haben, bleibt nun natürlich auch die Promo-Tour an den beiden hängen.
Es ist also verständlich, dass Jan Zimmer beim morgendlichen Gespräch in seiner Musikfabrik ein wenig geschafft aussieht, aber er ist auch umso stolzer auf das Geleistete. „Dass wir das alles in dieser schwierigen Zeit durchgezogen haben, ist schon toll“, sagt er. Und natürlich ist er auch davon überzeugt, dass das neue Album das beste der bisher drei Luxuslärm-Platten ist. „Ein Monsteralbum“, sagt er, auf dem sich die Band weiterentwickelt hat, mehr musikalische Vielfalt zeigt und auch reifer geworden ist. „Wir sind ja keine Teenager mehr, die über Kaugummis und Lutsch-Bonbons singen“, sagt Jan Zimmer. Dass sie keine Scheu vor ernsten Themen haben, zeigt schon die Auskopplung „Atemlos“, in dem Sängerin Jini das Thema Krankheit aufgreift – ein sehr persönliches und mutiges Lied. Überhaupt ist Jan begeistert, wie kunstvoll die Luxuslärm-Frontfrau mit der Sprache umgeht und wie stark die Texte auf der neuen Platte geworden sind.
Musikalisch gibt es neben tollen Balladen und echten Rock-Songs auch eine Hip-Hop-Dance-Nummer mit „Culcha Cabdela“. Der von einigen Fans befürchtete Bruch und Stilwechsel ist aber eindeutig ausgeblieben. „Wir bleiben uns treu“, sagt Jan Zimmer. Man müsse aber jedem Künstler eingestehen, dass er sich auch einmal weiterentwickeln und ein wenig experimentieren kann.
Im November beginnt dann die Tour zur neuen CD. In heimischen Gefilden ist Luxuslärm dann in neuer Besetzung am 17. Dezember in der Hagener Stadthalle zu sehen. Mit den neuen Bandmitgliedern Freddy Hau (Gitarre), Christian Besch (Keyboard) und David Müller (Bass) steht Luxuslärm aber schon seit rund zwei Wochen bei verschiedenen Konzert-Terminen auf der Bühne. Und das fühle sich schon ziemlich gut an, sagt Jan Zimmer. „Ein bisschen Angst hatte ich davor schon“, sagt er. Schließlich lerne man sich erst bei den intensiven Proben vor einer Tour, auf der Bühne und im Tour-Bus richtig kennen. Mit den neuen Luxuslärmern sei das alles aber sehr gut gelaufen. „Das sind alles Super-Musiker und tolle Persönlichkeiten, die von den Fans schon jetzt prima aufgenommen wurden und die die Band weiter nach vorne bringen werden.“
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