Regionalkantor zum Jubiläum des Kirchenchors St. Kilian: Chorgesang ist wie eine Jakobsleiter
17.11.2008 | 16:37 Uhr 2008-11-17T16:37:00+0100
Letmathe. „Lobgesang im Wandel der Zeit” - die Jubiläumsveranstaltung zum 120-jährigen Bestehen des Katholischen Kirchenchores St. Kilian war am Sonntag mehr als nur eine Feierstunde. Vielmehr setzten die Sänger an zu einem Streifzug durch die Geschichte ihres Chores und der Kirchenmusik.
Im Anschluss an das feierliche Hochamt unter der Mitwirkung des Chores begrüßte der Vorsitzende Bernhard Ellebracht zahlreiche Gäste, befreundete Vereine und kirchliche Würdenträger im Pfarrheim St. Kilian: „Musik, speziell der Gesang, ist eine der höchsten Ausdrucksformen des menschlichen Geistes”. Ellebracht erinnerte in einem kleinen Rückblick an die Gründung als Knaben- und Männerchor im Jahr 1888 durch Pfarrer Prälat Klagges. Während des 1. Weltkrieges musste die Chorarbeit zeitweilig ruhen, in den Wirren des 2. Weltkrieges jedoch gelang es, den Chor kontinuierlich am Leben zu erhalten. 1945 erfolgte schließlich, laut Ellebracht, die Gründung als gemischter Chor. Es gab viele Aufführungen. Werke von Mozart, Bruckner und Haydn standen bereits in den 50er und 60er Jahren auf dem Programm. Später folgte die Zeit der großen Oratorien.
Im Jahr des 100-jährigen Bestehens wurden zahlreiche Chöre zur Gestaltung von Gottesdiensten eingeladen. Dieses Jahr markierte aber auch einen Neubeginn. Mit der Teilung in Oratorienchor und Kirchenchor orientierten sich die Sängerinnen und Sänger neu: „Für den Kirchenchor musste es nun eine kleinere bescheidenere Grundlage für den Arbeitsbereich Kirchenmusik geben”, so Bernhard Ellebracht. Dies wurde über die Jahre gekonnt gemeistert und der Kirchenchor zeigte sich stets als zuverlässiger Begleiter bei Festtagen und großen Ereignissen. Seit 1990 betreut Heinrich Mainka die Chorgemeinschaft.
Gerne erinnern sich die Mitglieder an die geselligen Chorfahrten. Neben dem nahen Sauer- und Münsterland wurden auch weiter entfernte Ziele erkundet. Die Sänger bereisten bereits Norderney, das holländische Oudewater oder Wrexham in Wales.
„Meiner Meinung nach können wir die Chorgemeinschaft mit einer Familie vergleichen und so von einer Chorfamilie sprechen”, so Bernhard Ellebracht.
Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit zu einem kleinen Grußwort. Elisabeth Folsche vom Pfarrgemeinderat betonte: „In Ihrem Chor sind viele unter dem Namen Gottes versammelt - wir freuen uns schon auf Ihr nächstes Konzert.” Pastor Guido Bartels wusste: „Dienstagabend, 20 Uhr, ist Kirchenchor.” Augenzwinkernd erklärte er, dass seine Eltern bereits seit 41 Jahren im Kirchenchor seiner Heimatgemeinde singen.
Im Anschluss brachte Regionalkantor Tobias Aehlig den Gästen in seinem Festvortrag das Thema „Kirchenmusik heute” näher. „Der Gesang ist die Jakobsleiter, welche die Engel auf Erden vergessen haben”, zog er den Bogen von den Anfängen der Kirchenmusik bis in die heutige Zeit. Dabei ging er der Frage nach dem Dilemma der Kirchenmusik nach: Singt der Chor zur Ehre Gottes oder für die Menschen? „Der Chor ist Teil der Gemeinde und singt für sie als legitimer Stellvertreter zur Ehre Gottes”, resümierte Aehlig.
In einem waren sich alle Redner einig. Sie wünschten dem Chor Kraft und Ausdauer für viele weitere Jahre.
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