Plötzlich stand eine Kuh vorm Tresen
21.02.2012 | 15:42 Uhr 2012-02-21T15:42:00+0100
Schälk. Mit fast 90 Jahren ist Else Rempel die wahrscheinlich älteste noch „aktive“ Wirtin im Märkischen Kreis und ihr Name ist untrennbar mit der Gastwirtschaft „Zum grünen Krug“ verbunden. Das traditionsreiche Haus liegt idyllisch gelegen zwischen dem Schälk und dem Ortseingang von Ergste.
In diesem Jahr feiert die Gaststätte ihr 50-jähriges Bestehen und noch immer ist Else Rempel unermüdlicher Motor zwischen Tresen und Küche, zwischen Gesellschaftsraum und Speisesaal. Das Wohl ihrer Gäste liegt der rüstigen Seniorin stets am Herzen.
Bei einem Besuch der Redaktion erinnert sich Else Rempel an die Anfänge der Gaststätte, die sie am 28. Dezember 1961 eröffnet hat. Dort wo heute der Eingangsbereich und der Schankraum zu finden sind, war früher die Deele, der Speisesaal war ursprünglich einmal der Pferdestall. Else Rempel wurde auf einem landwirtschaftlichen Betrieb groß.
Doch „Landwirtschaft war nicht so mein Dingen“. Zur Handelsschule hatte sie gewollt. Ihre Arbeitskraft allerdings sparte den Eltern 15 Mark für ein Dienstmädchen im Monat. Letztlich war sie dann doch noch zur Schule gegangen, aber zur Landwirtschaftlichen, die früher einmal im Haus Letmathe untergebracht war. Hatte 1946 geheiratet, zwei Kinder bekommen. Und ihrem Mann dann eines Tages resolut vorgerechnet, dass zehn Zentner Saatkartoffeln minus Arbeit plus Ertrag unterm Strich ein absolutes Verlustgeschäft seien. Sie telefonierte mit der Iserlohner Brauerei, verkaufte erst Flaschenbier und bekam dann die volle Konzession.
Die Gaststätte liegt an einem ganz markanten Punkt, in der Nähe steht ein Gedenkstein, der auf den „Viermarkenbaum“ hinweist. So heißt auch der MVG-Haltepunkt vor der Haustür. Dort stießen früher die Gemeindegrenzen von Letmathe, Hohenlimburg, Ergste und Berchum aneinander, nach der Kommunalen Neuordnung sind des heute die Kreise Unna, die kreisfreie Stadt Hagen und der Märkische Kreis.
Wer den Schankraum betritt, der erliegt unweigerlich dem Charme der Gaststätte, die Else Rempel zusammen mit ihrer Tochter Gerlinde zu einem kleinen Schmuckkästchen gemacht hat. Überall findet man Puppen, viele von ihnen sind Geschenke von Gästen.
Sie stehen, sitzen oder liegen in allen möglichen Ecken und Winkeln und vermitteln unweigerlich das Gefühl, dass der Gast in dieser Wirtschaft geborgen ist. Else Rempels ganzer Stolz aber ist ihre Kaffeekannen-Sammlung. Ihre Sammlung begann sie einmal mit fünf Kannen, heute sind es über 200, die die Regale zieren.
Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte investierte Else Rempel viel in ihre Gaststätte. Da der Schälk über keine Wasserleitung verfügt (!) ließ sie noch 1989 einen 50 Meter tiefen Brunnen graben, um die Wasserversorgung sicherzustellen. Das kostbare Nass wird jährlich untersucht.
Übrigens: Anfang der 60-er Jahre war die Gaststätte ein reines Ausflugslokal, Gäste konnten sich ihre „Bütterkes“ noch mitbringen. 1976 wurde die Kegelbahn eröffnet, doch die ist inzwischen auch schon wieder Geschichte. In dem langen Trakt wurde ein Gesellschaftsraum eingerichtet und ein Teil wurde zu Wohnzwecken umgebaut.
Else Rempel kann sich an viele lustige Begebenheiten erinnern: Einmal schlossen die Söhne von Berchumer Landwirten eine Wette ab und so muhte tatsächlich einmal eine Kuh vor dem Tresen. Einem Gast wurde auch mal ein Streich gespielt. Sein Fiat 500 wurde vor dem Haus kurzfristig auf vier Hohlblocksteine gesetzt.
Und wie sieht die Zukunft von Else Rempel aus? „So lange ich kann, werde ich weiter mit Leib und Seele Wirtin sein und mich um meine Gäste kümmern!“
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